Historischer Westernclub Lichtenfels e.V.
BLACKFEET  NATION

diese Seite wurde von unserem Schriftführer Klaus-Peter Frisch mit freundlicher Genehmigung der Blackfeet Nation aus dem englischen übersetzt und unserem Club zur Verfügung gestellt.

Home
 

 

Die Geschichte der Blackfeet - Fahne

 

Die Blackfoot-Fahne wurde 1980 erschaffen. Das Blackfoot Media Department veranstaltete einen Wettbewerb für das Aussehen der Flagge. Ein Gremium aus Künstlern, Stammesältesten und  Stammesangehörigen wählte das Design wie man es heute sieht. Viele Entwürfe wurden vorgelegt, Lawrence Tailfeathers und Pattijo W. ComesAtNight machten jedoch das Rennen.

Beschreibung:  Das Design ist schwarz und weiß auf blauem Grund. Eine Vielzahl einzelner Adlerfedern bilden einen Kreis. Im Innern des Kreises befindet sich ein Umriss des heutigen Stammesgebietes. Die Abbildung der Kriegshaube sollte in  die einzigartige aufrecht stehende Form der Blackfoothauben abgeändert werden. Mr. Tailfeathers verstarb jedoch bevor er die Änderung vornehmen konnte. Auf der linken Seite des Kreises steht die traditionelle Fahne unseres Volkes - der Stab mit Adlerfedern.

 

Die Farben und das Design repräsentieren die Erde, den Kosmos, die Elemente, Pflanzen, Tiere sowie die Menschen.

Der Kreis repräsentiert den Kreis des Lebens - Menschen sind verbunden, waren es und werden es immer sein, der Kreis endet nie. Die vielen Federn stehen für die stolzen und zahlreichen Blackfoot - Stämme.

Die Federn repräsentieren die Majestät und das Mystische des Adlers. Adlerfedern stehen für langes Leben, Energie, Kraft, Vollkommenheit oder Coup.

 

 

Zeittafel des Blackfeet - Stammes 

6.500 v.Chr.    Indianer der vorgeschichtlichen Zeit beginnen mit der Besiedlung Montanas    
500 v.Chr. Die "Hunde Tage". Die Blackfeet folgen dem "Old Northern Trail" über dem "Rückgrat der Welt" (Rocky Mountains) und benutzen dabei Hunde, die auf Travois ihren gesamten Hausrat transportieren.
1650 Von frühen europäischen Reisenden werden in Zentralkanada Blackfeet entdeckt
1690 Henry Kilsey von der Hudson Bay Company hat einen ersten kurzen Kontakt mit dem Stamm in Alberta. 
1730 Blackfeet werden von berittenen Shoshonen angegriffen. Zum ersten Mal bekommen sie Pferde zu Gesicht, die sie "Elch-Hunde" nennen.
1730 / 50          Durch friedlichen Handel mit den benachbarten Flathead, Kootenai und Nez Perce, erwerben die Blackfeet ihre ersten Pferde.
1748 Die ersten französischen Trapper erscheinen auf dem Stammesgebiet
1754 Antony Hendry von der Hudson Bay Company ist der erste Weiße, der sich bei den Blackfeet aufhält - in einem Blood-Dorf mit 322 Zelten. Er versucht vergeblich, die Indianer vom Handel zu überzeugen. Da diese Pferde besitzen und Büffel reichlich vorhanden sind, besteht von deren Seite kein Interesse.
1772 Matthew Cocking von der HBC verbringt den Winter bei den Blackfeet. Er empfindet sie als zugänglich und gastfreundlich. Den Handel lehnen sie jedoch immer noch ab.
1780 Die HBC errichtet Buckingham House am Saskatchewan River in Kanada. Die Blackfeet erwerben Gewehre durch Handel.
1780-1805         In Kriegen um Jagdgründe rotten die Blackfeet die Shoshonen fast aus.
1784 Den Erzfeinden der Northern Shoshone, Flathead und Kootenai wird unbarmherziger Krieg erklärt.
1786 Das US-Kriegsministerium wird mit der Verantwortlichkeit für Indianerangelegenheiten beauftragt.
1787 Krieger der Blackfeet dringen tief nach Süden bis Santa Fe vor, verwickeln spanische Minenarbeiter in Kämpfe und stehlen deren Pferde.
1787 Der Pelzhändler David Thompson überwintert bei den Piegan. Die Northwest Fur Trading Company beginnt den Handel mit den Siksika und Blood.
1803 Die USA erlangen große Teile Montanas durch den Louisiana Purchase. Die Stämme auf dem Gebiet diese Territoriums kommen dadurch unter US-Rechtssprechung. Im größten Grundstückskauf der Weltgeschichte, dem Louisiana  Purchase, erwerben 1803 die USA für  $ 15 Mio  über 2.1 Mio Km²  Land von Frankreich = $ 7.--/Km²)
1806 Die Lewis & Clark Expedition trifft auf die Piegan am Zusammenfluß von Two Medicine River und Badger Creek.
1808 Mountain men und Pelzhändler dringen allmählich in die Interessengebiete der Blackfeet ein.
1810 Die Missouri Pelz Company eröffnet einen Handelsposten,  wird aber sofort von den Blackfeet vertrieben.
1812 Händler berichten, dass die Blackfeet entschlossen sind, alle den Weißen gehörende Pferde zu stehlen als Rache für den Tod ihrer Angehörigen. Fünfzig von ihnen waren im vergangenen Jahr von Flathead getötet worden. Die Blackfeet behaupten, dass die Weißen den Flathead Gewehre geliefert  hätten - das wäre der Grund für ihre hohen Verluste.
1819 Eine Masernepidemie tötet ein Drittel der Blackfeet und Gros Ventre.
1824 Beginn des Pelzhandels mit Mountain men und ständiger Kriegszustand mit Trappern.
1831 Erster friedlicher Handel zwischen Amerikanern und Blackfeet 
1833 Prinz Maximilian, ein deutscher Forscher und der Schweizer Maler Karl Bodner leben einen Monat bei den Blackfeet in Ft. McKenzie. Maximilian beschreibt als erster Weißer die Lebensweise der Blackfeet, Bodner malt Portraits von deren Häuptlingen.
1837 Eine verheerende Pockenepidemie die auf dem Dampfschiff "St. Peter" der American Fur Company den Oberen Missouri heraufgebracht wurde, tötet fast 6.ooo Blackfeet - zwei Drittel des gesamten Stammes.
1840 Ende des Pelzhandels mit den Mountain men.
1843 Im Ft. McKenzie wird mit einer Kanone auf Blackfeet gefeuert die zum friedlichen Handel gekommen waren. Eine "Vergeltungsaktion" für begangenen Viehdiebstahl im Jahr zuvor. Sechs Tote und mehrere Verwundete.
1846 Erster katholischer Gottesdienst bei den Blackfeet.
1849 600 - 800 Blackfeet-Krieger greifen berittene Assiniboine an und töten 52 von ihnen bei 25 eigenen Verlusten. Das Bureau of Indian Affairs wird vom Kriegsministerium auf das Innenministerium übertragen.
1851 Gründung der Blackfeet Agency.
1854 Hunde werden von den Blackfeet nicht gegessen. Hunger, durch Nahrungsmittelknappheit verursacht, zwingt sie in diesem Jahr aber dazu.
1855 Erster offizieller Vertrag zwischen der US-Regierung und den Siksika. Er definiert die Grenzen der Blackfeet Nation.
1860 Weiße Siedler dringen ins Blackfeet Territorium ein.
1864 Ausbruch einer Scharlachepidemie kostet über 1.100 Blackfeet das Leben
1865 Zwischen weißen Siedlern und Blackfeet brechen Kämpfe aus. Zehn Holzfäller werden getötet.
1866 In einer großen Schlacht werden die Crow und Gros Ventre von den Piegan besiegt.
1867 Von Händlern erwerben die Blackfeet Repetiergewehre die ihnen eine höhere Jagdausbeute ermöglichen.
1869 Wieder wird von einem Dampfboot eine Pockenseuche ins Land gebracht. Über 1.000 Tote sind zu beklagen.
1870 Schlacht zwischen 600 - 800 Assiniboines und Crees einerseits und Bloods und Piegans andererseits. Ca. 200 - 300 Tote.
1873 Errichtung der Blackfeet-Reservation durch Präsident Ulysses S. Grant.
1876 Schlacht am Little Big Horn. Custer´s Niederlage. Blackfeet waren am Kampf nicht beteiligt.
1879 Fast alle Büffel in den Jagdgründen der Blood waren getötet oder nach Süden vertrieben. In ihrer Verzweiflung folgten sie den verbliebenen Herden um sie im Judith Basin zu bejagen.
1883 Die Ausrottung der großen Büffelherden ist fast vollendet. Die Canadian Pacific Railway erreicht die östliche Ecke des Blackfeet Territoriums.
1883/84 Der Hunger-Winter. Die Büffelherden sind plötzlich verschwunden. etwa  600 Stammesangehörige verhungern. Der Stamm wird sesshaft, abhängig von Zuteilungen der Regierung.
1884 Die letzte Büffeljagd der Piegan findet in den Sweet Grass Hills statt.
1885 Die Regierung nimmt für die Suche nach Mineralvorkommen Land von der Reservation. 
1889 Die Geistertanz-Bewegung rast durch die Stämme der Plains. Wovoka, auch als Jack Wilson bekannt, ein 1856 geborener Paijute - Indianer, hatte während der Sonnenfinsternis im Januar 1888 eine Vision: Er  sah das Erscheinen eines Messias der den Indianern, die seinen Geistertanz praktizieren würden,  ihr Land und ihre Vorfahren zurückgeben würde. Obwohl Wovoka auch von Frieden und Zusammenarbeit redete, wuchsen Furcht und Misstrauen zwischen Weißen und Indianern. Viele Sioux verließen ihre Reservationen und drohten mit Krieg. Wovokas Vorhersage ging schließlich am 29. Dezember 1890 im Wounded Knee Massaker unter. Er selbst starb 1932 in Nevada.
1894 Die Stadt Browning wir im Reservatsgebiet gegründet.
1896 Die Blackfeet verkaufen das Land, das später zum Glacier National Park wird, für  $ 1,5 Mio , zahlbar  in zehn Jahresraten à  $ 150.000 ! 
1903 Ein Zaun mit insgesamt nur drei Eingängen wird um die Reservation gezogen. Wahl des ersten Blackfeet-Stammesrates.
1907 Die Reservation wird vermessen und parzelliert. Die Teilstücke werden an einzelne Stammesangehörige vergeben.
1909 Der Zaun um das Reservat wird entfernt.
1910 Die Volkszählung der Regierung berichtet von 2.268 Blackfeet die auf dem Reservatsgebiet leben - etwa die gleiche Anzahl wie 1885. Gründung des Glacier National Parks.
1914 Den Blackfeet wird die Jagd im National Park untersagt. Um den Wechsel von Großwild vom Park ins Reservatsgebiet zu unterbinden,  drängt die Parkverwaltung die Blackfeet dazu, einen 6 Meilen breiten Landstreifen am östlichen Parkrand abzutreten. Das wird als erneuter Versuch von Landraub abgelehnt.
1920 Die Rinderherden des Stammes werden durch einen strengen Winter vernichtet. Eine Hungersnot ist die Folge.
1924 Der Snyder Act gewährt allen Indianern die vollen US-Bürgerrechte.
1982 Aus 643 Bohrlöchern fließen jährlich 50 Mio Barrel Öl, außerdem existieren 47 Erdgasbohrungen. Beide Quellen ergeben 90 % des Jahreseinkommens des Stammes.
   

Wir nennen uns selbst   BLACKFEET   ( Pikuni oder auch Southern Piegan) , wohingegen BLACKFOOT sich  gewöhnlich auf unsere drei kanadischen Konterparts bezieht , die

Ursprung, Sprache und Kultur mit uns teilen: Es sind die NORTHERN PIEGAN, die KAINAI Nation und die SIKSIKA Nation. Gemeinsam bilden unsere vier Nationen , die

Blackfoot  Konföderation. Mit 16.000 eingetragenen Mitgliedern sind wir der größte Stamm in Montana und einer der größten in den USA. Unsere rauhe, malerische 3.000 Quadratmeilen umfassende Reservation ( etwa die Größe des Staates Delaware )  hat im Jahre 2010 eine Bevölkerung von rund 10.000 Menschen. Davon sind 8.500 eingetragene Blackfeet, mehrere Hundert Abkömmlinge von Blackfeet und Angehörige anderer Stämme sowie einige Hundert Nicht - Indianer. Weitere 7.500 Blackfeet leben über die ganze Welt verstreut.

 

Wir kommen genau von hier

 

 Viele Jahre vermuteten Gelehrte, dass die Blackfeet von Osten aus den Wäldern um die Großen Seen herum über Jahrhunderte nach Westen wanderten. Diese Annahme beruhte auf der Untersuchung verschiedener Algonquin-Dialekte.  Die Blackfoot-Sprache wird von Sprachforschern als Algonquin eingeordnet. Daraus ergab sich die Schlussfolgerung, dass wir die Sprache von Ost nach West brachten. Erklärungen für die vermutete Einwanderung unseres Volkes reichten vom Erscheinen des Pferdes auf dem Kontinent und vom Aufkommen von Feuerwaffen bis hin zu Konflikten mit anderen Stämmen.

Gelehrte geben jedoch aufgeblasene Erklärungen ab und schreiben Bücher über Zeiten, in denen sie nicht lebten, über Welten, in die sie nie einen Fuß setzten, und über Sprachen, die sie niemals gehört haben. Als Beispiel, wie wenig sie über Indianer der vorkolumbianischen Zeit wissen, sei die Tatsache erwähnt, dass man sich nicht einmal auf eine Zahl über die Ureinwohner einigen konnte - die Schätzungen variieren zwischen 8 bis 112 Millionen.

Wenn man so wenig Wissen besitzt, warum kümmert man sich dann um alles Weitere?

Warum, wenn wie übereinstimmend angenommen wird, die Indianer vor 12.000 Jahren oder mehr von Asien herübergekommen sind, kann behauptet werden, dass die Blackfeet von Ost nach West eingewandert sind ? In jedem Fall sind anthropologische Theorien für die Blackfeet uninteressant. Wir wissen, wer wir sind und von wo wir kommen. Wir kommen genau von hier.  Wir wissen und haben es stets gesagt, dass wir immer nahe den Rocky Mountains lebten.  Und wir haben recht: Kürzlich gemachte archäologische Funde beweisen, dass wir seit  tausenden Jahren hier lebten, wo wir heute sind. In einem nahegelegenen Buffalo Jump fand man Büffelknochen und Knochen unserer Vorfahren, die über 6.000 Jahre alt sind. (Buffalo Jump ist ein historischer, traditioneller Jagdplatz nordamerikanischer Indianerstämme, die hier Bisons  erlegten.)

Nicht dass wir Beweise brauchen: Unsere Schöpfungsgeschichte, über Hundert Generationen weitergegeben, nahm ihren Anfang bei Badger-Two Medicine, ein heiliger Ort in der Nähe unserer  heutigen Reservation und des Glacier Parks. Wenn uns heute ein Gelehrter erzählen will, dass wir im Dunkel und aus den Nebeln der Vorgeschichte aus Asien einwanderten oder auf Flößen über einen Ozean hier her kamen, dann hören wir mit einem Lächeln zu - weil wir die Geschichte unserer Herkunft besser kennen.

Seit der Zeit, als der weiße Mann kam, und weil der weiße Mann kam, schwankte die Zahl unseres Volkes enorm. Um 18oo zählten wir ca. 20.000, aber nur noch 2.000 um 1890.  In heutiger Zeit ist die Blackfeet Nation wieder auf über 16.000 angestiegen. Unsere schreckliche Sterberate beruht auf den unzähligen Zusammen-Stößen mit anderen Stämmen und Nicht-Indianern. (Indianer führten von Zeit zu Zeit Krieg gegeneinander, aber nicht um des Tötens willen und niemals mit dem Ziel der Auslöschung des feindlichen Stammes.) Im Jahre 1837 wurden die Pocken unwissentlich von Weißen eingeschleppt. Nur zehn Tage nach dem Besuch von Ft. McKenzie/M wurde unser Volk von fürchterlichen und unheilbaren Symptomen eines unbekannten Schreckens befallen, der schnell im gesamten Stamm wütete. Wir verloren 6.000 Menschen, die Hälfte unseres Stammes.

Um 1880 waren wir nahe daran, alle an den Hungerwinter zu verlieren: Unsere Zahl verringerte sich auf weniger als 3.000. Das geschah aufgrund der fast vollständigen Ausrottung des Bisons, der 90 % unserer Nahrung darstellte. 1870 gab es fünf Millionen Büffel auf den Ebenen, fünf Jahre später waren sie fast völlig verschwunden. Niemand sagte uns, dass die Büffel vernichtet waren, bis es zu spät war.  Niemand in Washington/DC verstand wirklich, wie abhängig wir von diesem Tier waren. Allmählich erkannte die Bundesregierung ihren tragischen Fehler. Wir starben in Massen. Hilfe kam zu spät, ungenügend und, wenn da nicht die guten Bewohner Montanas gewesen wären, die uns Nahrung über fast unpassierbares Gelände brachten, dann würde es heute überhaupt keinen Blackfeet-Stamm mehr geben. Natürlich trugen auch die Kämpfe mit den eindringenden weißen Soldaten, gegen deren Waffen wir keine Chance hatten, zu unserer allgemeinen Dezimierung bei.

In unseren “Hundetagen” (als wir Hunde zum Ziehen der Travois benutzten, um von Lagerplatz zu Lagerplatz zu ziehen) und in der Pferd- und Feuerwaffen-Ära zogen wir ohne Unterlass über die Plains, um den riesigen Büffelherden zu folgen. In dem Moment, als unsere Kundschafter mit Neuigkeiten über die Herde kamen, konnten wir innerhalb weniger Minuten das gesamte Lager abbrechen und uns an die Verfolgung der Tiere machen.  Das Tipi erlaubte uns eine mobile Lebensweise; unser einzigartiges Heim ist nie verbessert worden. Auf der ganzen Welt existiert kein anderes vergleichbares Heim, das den unvergleichlichen Fähigkeiten des Tipis ebenbürtig ist: Es ist von geringem Gewicht und kann den Präriewinden, die einen starken Mann zu Boden werfen können, widerstehen, schützt seine Bewohner vor tödlicher Kälte, bietet einer großen Familie Komfort und kann in wenigen Minuten auf- und abgebaut werden.

Bevor wir Gewehre besaßen, gebrauchten wir Pfeile und Lanzen, um manchmal verbündet mit den Gros Ventre und Sarcee gegen unsere traditionellen Feinde, die Crow, Shoshonen, Cree, Sioux, Flathead und Assiniboin zu kämpfen. Als wir in den Besitz von Pferden und Feuerwaffen kamen, beherrschten wir rasch die nördlichen Plains und drängten die Shoshonen, Kootenai und Flatheads auf die Westseite der Rocky Mountains sowie andere Angreifer in ferne Gebiete zurück.

Die Tatsache, dass wir ein solch großes und wildreiches Gebiet kontrollierten, machte uns zu Handelspartnern für Trapper und Pelzhändler, die um die Mitte des 18. Jhdt. hier auftauchten. Für die folgenden Hundert Jahre war der Handel mit europäischen Trappern und Händlern ein wichtiger Teil unseres Wirtschaftslebens.

Jedoch waren wir lange zuvor aggressive Krieger und Räuber, wir griffen so manchen Handelsposten an und überfielen weiße Siedlungen. Das entsetzte die Siedler, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Regierung und Armee einmischten. Diese waren ohnehin begierig auf unser Land und sie würden es sowieso bekommen. Unser furchteinflößender Ruf gab ihnen den Vorwand, den sie benötigten, um hart gegen uns vorzugehen. Ehe wir wussten, was uns geschah, hatten wir den größten Teil unseres Landes durch Verträge und andere Übereinkommen an die Bundesregierung abgegeben, ohne zu verhandeln oder überhaupt zu verstehen, worum es ging.

Der erste Vertrag, bekannt als Lame Bull’s Treaty, wurde 1855 geschlossen. Weitere Verträge folgten, jeder nahm uns riesige Teile unseres traditionellen Landes. Wir leisteten Widerstand, so gut wir nur konnten, aber jede Teilabgabe des Gebietes war unangemessen und mörderisch. Zum Bespiel als 1870 eine kleine Konfrontation, hervorgerufen durch das unaufhörliche Vordringen von Siedlern und Spekulanten, in einem wahllosen Massaker an 173 Frauen, Kindern und Greisen durch die US-Kavallerie bei Heavy Runner’s Piegan Camp am Marias River gipfelte. Dieses war ein friedliches Lager und  stand unter dem Schutz von Sicherheitsgarantien. Es war nicht das Camp, nach dem die Soldaten suchten. Ein    Kavallerie-Scout namens Kipp schrie den Soldaten wie wild zu, dass dies nicht das gesuchte Lager sei und sie dabei wären, einen fürchterlichen Fehler zu begehen. Aber Blutdurst und Hass können nicht durch Recht oder Vernunft abgewendet werden. Das war unser Wounded Knee, unser Sand Hill.

Letztendlich verblieben wir - einer kleinen Gnade gleich - auf dem Boden, der uns am heiligsten war: unsere heutige Reservation. Das war jedoch nicht die Ursache von einer Art Good-will-Geste oder besten Absichten seitens der US. Es war der simple Umstand, dass sie das Land, was wir am meisten wollten, das Land war, das die Regierung am wenigsten wollte.

1896 wurden uns die nördlichen Rockies für erbärmliche $ 1.5 Mio genommen, weil  Spekulanten glaubten, dort seien reiche Mineralvorkommen zu haben. Als sich die Mineralienvorkommen als ungenügend erwiesen, wurde der heiligste Teil unserer Heimat 1910 zum Glacier National Park erklärt. 1925 übte die Parkverwaltung weiter Druck auf uns aus, damit wir noch weitere um den Park liegende Ländereien aufgeben sollten.

Bis heute stellen wir die Gesetzmäßigkeit der Transaktion von 1896 in Frage. Danach waren jedoch die heutigen Reservationsgrenzen festgelegt. In Übereinstimmung mit dem “General Allotment Act” (Vertrag über die Aufteilung) konnten in den Jahren zwischen 1907 und 1911 Einzelgrundstücke individuell an einzelne Indianer verkauft werden. Der Grundgedanke war, Reservatsland an Stammesangehörige zu geben, in der Praxis ermöglichte es jedoch Nichtindianern solche Teilstücke von Indianern zu kaufen oder zu rauben oder “exzess lands” (Überschuß-Land) zu erwerben. In einigen Reservaten, z.B. dem Puyallup Reservat in der Nähe von Seattle war innerhalb kürzester Zeit fast das gesamte Stammesterritorium aus den Händen des Stammes entglitten. Es war von verarmten, verzweifelten Indianern für Pennies verkauft worden. Auf diesem Land entstand ein düsterer, eintöniger Vorort für minderbemittelte Nichtindianer. Niemand, der heutzutage durch dieses Gebiet kommt, hat auch nur die leiseste Ahnung davon, dass er durch das Puyallup Reservat fährt.

Im Vergleich dazu erging es den Blackfeet sehr viel besser: Heute befinden sich 60% des Territoriums in Stammesbesitz oder in den Händen von Stammesangehörigen. Die Gebiete, die wir nicht besitzen, sind im allgemeinen riesige Ranches mit geringer Infrastruktur und noch weniger Bewohnern. Unsere nichtindianischen Rancher sind gute Nachbarn und gute Hüter des Landes. So blieb der Charakter und das Erscheinungsbild unseres  Landes weitgehend unverändert erhalten. Über 8.500 der 10.000 Reservatsbewohner sind eingetragene Blackfeet. Die anderen 1.500 sind überwiegend Nachkömmlinge von Blackfeet, Indianer anderer Stämme und einige Hundert sind Non-Indians.

1924 erhielten Indianer die US-Bürgerrechte. 1934 wurden wir ein IRA-Stamm im Sinne des Indian Reorganization Acts. Dieses Gesetz kämpfte gegen die Flut von Verkäufen  von Reservatsländereien an Nicht-Indianer, indem auf die meisten unserer Gebiete ein Treuhandstatus gelegt wurde. Gleichzeitig legte es den Grundstein für die unumschränkte  Hoheit, verlieh ein Maß an Selbstkontrolle und versah unsere Stammesführung mit einer verfassungsgemäßen Struktur.

Vor dem frühen 20. Jhdt war es für die Blackfeet nicht geläufig, genügende Kenntnisse im Schreiben zu besitzen, um gute Chronisten für den Stamm zu sein. Daher kommen die besten Schriften über uns von Nicht-Indianern, die wir in unserer Welt willkommen hießen. Nachstehend sind Auszüge aus dem Buch eines geschätzten langjährigen Freundes namens Frank B. Linderman. Diese sind aus seinem Buch “Vom Norden: Ein kurzer historischer Überblick über den Stamm der Blackfeet”. Es ist eine sehr gute und lebendige Lektüre. (Viele Blackfeet stimmten mit den darin gemachten Angaben nicht überein. Wenn sich aber jemand so viel Mühe macht, um über uns zu lernen, und so sympathisch und voller Zuneigung über uns berichtet, verdient er unwidersprochen zu bleiben.)

 Blackfeet! Kein anderer Stammesname erscheint öfter in der Geschichte der nordwestlichen Plains, kein anderer ist so wohlmeinend in den spärlichen Berichten der frühen Pelzhandels-Company am oberen Missouri vorhanden und kein anderer Name rief mehr Furcht und Schrecken bei den weißen Plainsbewohnern hervor. Hell Gate, ein dicht bewaldetes Tal in der Nähe von Missoula/MT, wird nicht so genannt, weil das Wasser dort so wild ist oder die Wege durch die Berge so schwierig sind, sondern weil der Weg aus der Ruhe in Schwierigkeiten führt - ins Land der feindlichen Blackfeet. Deren Krieger töteten viele Jäger der Flatheads, die auf dem Weg in die Blackfeet - Jagdgründe waren.

Die drei Stämme der Blackfeet Nation, die Pecunnies (Piegans), Bloods und Blackfeet , sind ein Volk. Sie sprechen eine gemeinsame Sprache und haben die gleichen Sitten und Gebräuche. Vor langer Zeit erreichten sie die weiten Ebenen, die an die Rocky Mountains grenzen - das Land des heutigen Montana. Hier fanden sie riesige Herden gut genährter Büffel, Elche und Antilopen, eine unerschöpfliche Fülle, die sie nie zuvor kannten. Hier ließen sich die drei Stämme der Blackfeet nieder, nachdem sie die Flatheads, Kootenais und Nez Perces von dem fruchtbaren Grasland der Ebenen in die engen Täler westlich der Rockies vertrieben hatten. Als sie aus dem Norden hierher kamen, kannte niemand ihre Anzahl. Alte Piegan-Krieger berichteten mir, dass ihr Stamm etwa 750 lodges zählte, mit bis zu 4.000 Menschen. Dabei waren die Piegan der zahlenmäßig größte Stamm der Blackfeet.

All das geschah, bevor die Blackfeet Pferde besaßen. Bis dahin hatten Hunde deren Besitz transportiert. Um in den Besitz von Pferden zu kommen, zogen ihre Überfallkommandos über das endlose Grasland tief nach Süden, wie berichtet wird bis in spanisches Gebiet. Ihre Ponyherden wuchsen, und man maß den Reichtum eines Kriegers an der Anzahl seiner Pferde. Die Hauptnahrung war Fleisch, das leicht zu beschaffen war. Ihr Leben war nie langweilig oder ereignislos.  Krieg und Pferdediebstahl waren ihre nie endenden Beschäftigungen. Zudem war man im ständigen Training, denn ein erfolgreicher Überfall brachte die  Aussicht auf zu erwartende Vergeltungsmaßnahmen. Das größte Bestreben der Männer war es, von seinem Stamm als ein großer Krieger oder geschickter Pferdedieb angesehen zu werden. Die Blackfeet waren Meister in diesen beiden gefährlichen Angelegenheiten.

Als sie schließlich im Besitz von Feuerwaffen waren, wurden sie zur Plage der nordwestlichen Plains, die alles Land nördlich vom Yellowstone River bis hoch nach Saskatchewan für sich beanspruchten (praktisch das heutige Montana). Von Statur waren sie im allgemeinen größer als die Männer der Nachbarstämme, mit schmalen, wohlgestalteten Nasen und intelligenten Gesichtern. Wie die anderen Stammesangehörigen der großen Ebenen waren sie von Natur aus tief  religiös und liebten Lachen und Scherze, sofern keine Fremden anwesend waren.

Obgleich die Blackfeet ihre Sozialstrukturen aus den nördlichen Wäldern mitbrachten, unterschieden sie sich wenig von den anderen Plainsbewohnern. Jeder der drei Stämme war in Clans unterteilt oder waren Blutsverwandte der weiblichen Linie. Aufgrund der Stammesgesetze durfte kein Mann eine Frau aus dem eigenen Clan heiraten. Die Kinder aus einer Ehe gehörten stets dem Clan der Mutter.  Junge Frauen standen unter strikter Bewachung. Es gab wenig Werben um die Erwählte. Die Eltern arrangierten Heiraten mit der Zustimmung der nächsten Verwandten. Aber, wenn möglich, wurden auch die Wünsche der jungen Leute berücksichtigt.

Rauchen war eine heilige Zeremonie. Die alten Plainsbewohner besiegelten Schwüre und Vereinbarungen mit Pfeifenrauchen. Beim Rauchen füllte und entzündete der Gastgeber oder der Zeremonienmeister die Steinpfeife. Zuerst bot er die Pfeife der Sonne (Vater) dann der Erde (Mutter) an, bevor er selbst rauchte. Als nächstes reichte er die Pfeife an den Gast zu seiner Linken weiter, “wie die Sonne ihren Lauf nimmt”. Nach dem Rauchen - gewöhnlich wurden drei tiefe Züge genommen - reichte dieser Gast die Pfeife an den Mann zu seiner Linken weiter. Bei diesen Bewegungen blieb  der Stiel stets zur Tipiwand gerichtet. Die Pfeife durfte nicht über den Eingangsweg gereicht werden. Wenn der Mann neben dem Eingang geraucht hatte, mußte die Pfeife an den Gastgeber zurückgegeben werden, der sie dann dem Mann zu seiner Rechten gab. Dann wanderte sie - ungeraucht - an denjenigen, der dem Eingang am nächsten saß. Wenn dieser geraucht hatte, gab er die Pfeife an den zu seiner Linken Sitzenden weiter, so dass diese sich bewegte, wie die Sonne ihren Lauf nimmt. Wenn die Pfeife nachgefüllt werden mußte, wurde sie dazu dem Gastgeber zurückgegeben. Die Anwesenden reichten sie ungeraucht demjenigen zurück, der bemerkt hatte, dass die Pfeife leer geraucht war. Niemand durfte zwischen die Rauchenden und die Feuerstelle treten.

Vererbliche Führung war unbekannt. Männer wurden Häuptlinge durch ihre Tapferkeit im Krieg. Da der Häuptling stets großzügig sein mußte, war er gewöhnlich ein armer Mann. Bei den Blackfeet ebenso wie bei den anderen Plainsstämmen mußte die Häuptlingswürde durch ständiges Erweisen der persönlichen Leistungsfähigkeit bewiesen werden. Diese konnte rasch an einem einzigen Tag verlorengehen, denn diesen unabhängigen Kriegern stand es frei, ihren Anführer zu wählen. Ein schwacher oder feiger Anführer konnte rasch seine Würde verlieren. Dieses Unabhängigkeitsdenken wurde von den Plainsbewohnern in ihren Kindern verankert. Die Kinder wurden nie geschlagen oder schwer bestraft. Die Jungen wurden ständig von den alten Männern des Stammes unterrichtet, nach Ruhm als Krieger zu streben und ehrenhaft im Kampf zu sterben. Die Namen von Stammeshelden waren für immer auf den Zungen jener Lehrer. Feigheit wurde abgrundtief verdammt.

Die Tipis der Plainsindianer waren das am besten zu transportierende Schutzgebilde, das je von Menschen erdacht wurde. Sie bestanden aus genarbten, teilweise zugerichteten Häuten der Büffelkühe. Für ein Tipi wurden zwischen 14 und 24 Häute benötigt. Indianerinnen konnten das Zelt innerhalb weniger Minuten auf- und abbauen. Bei Kälte wurden sie zu bequemen Heimen, im Innern wurden hübsch verzierte Verkleidungen, die bis über die Köpfe der Sitzenden reichten, angebracht, um diese vor Zugluft zu schützen. Zwischen 14 bis 26 Stangen wurden für das Tipi benötigt, deren Länge von der Höhe der Lodge abhängig war.  Gewöhnlich wurde jedes Jahr ein neuer Satz solcher Zeltstangen geschlagen. Das ständige Ziehen der poles über den Prairieboden, wenn man den Büffelherden folgte, begrenzte  die Haltbarkeit auf eine Saison. Die Zelte wurden häufig mit Bildgeschichten aus den “medicine dreams” geschmückt, ebenso mit Skalps und Büffelschwänzen. Im Dorf hatte jeder Clan und jedes einzelne Tipi seinen rechtmäßigen Platz. Die Zelte der Clanführer standen in einem kleinen Kreis innerhalb des großen Dorfkreises.

Die Plainsindianer schätzten Würde und liebten Förmlichkeiten. Traditionsgemäß war Anstand stets gegenwärtig in den Zelten der alten Krieger. Vom Platz des Gastgebers aus gesehen saßen seine Söhne nach ihrem Alter zu seiner Linken, seine Frauen und deren Besucherinnen zu seiner Rechten. Betrat ein männlicher Gast das Zelt, wandte er sich zur Rechten des Gastgebers und wurde prompt aufgefordert, auf der linken Seite Platz zu nehmen. Kam ein Besucher mit einer Nachricht oder Botschaft, überbrachte er diese im Stehen. Er wurde niemals, während er sprach, unterbrochen. Wenn er im Zelt war, konnte selbst ein Feind frei, ohne unterbrochen zu werden, sprechen. Nach dem Verlassen des Dorfes mußte er jedoch auf der Hut sein.

Flechten und Töpfern war den Blackfeet unbekannt. Ihren Waffen und der Kleidung wurde mehr künstlerische Aufmerksamkeit zuteil. Das allgemein übliche dreizackige Design stellte die drei Stämme der Blackfeet dar. Die meisten der Bögen waren aus Esche oder Wildkirschenholz, während die Pfeile aus den Schößlingen des service-berry - Busches  gefertigt wurden. Ihre Schilde waren aus ungegerbten Leder aus dem Nacken alter Büffelbullen. Sie würden Pfeile abprallen lassen und sogar Kugeln aus altmodischen Feuerwaffen abwehren - wird erzählt.

Die Männer trugen Hemden, Leggins und lederbesohlte Mokkasins. Im Sommer wurden keine Kopfbedeckungen getragen, außer wenn Zeremonien beigewohnt wurde. Im Winter trugen die Männer oft Hauben aus Tierfellen. Die Frauen trugen knöchellange Kleider aus Hirsch-, Antilopen- oder Bergziegenfellen, ebenso Leggins, Mokkasins und verzierte Gürtel, an denen bemalte Messerscheiden hingen.

Die Männer waren gut trainierte Sportler, die Pferderennen, Wettlauf und Glücksspiele liebten. Sie glaubten fest an das Glück und ihre medicine, die ihnen im Traum zuteil wurde. Die Männer hungerten oft und quälten sich selbst als Vorbereitung auf erhoffte medicine - dreams. Wenn sie geschwächt durch entkräftende Dampfbäder und Strapazen waren, machten sie sich auf den Weg zu irgendwelchen gefährlichen Plätzen. Das waren gewöhnlich hohe Berggipfel, steile Klippen oder vielbenutzte Büffelpfade, wo jederzeit große Herden auftauchen konnten. Hier verbrachten sie vier Tage und Nächte ohne Wasser und Nahrung. Sie versuchten, in Träume zu sinken, und riefen unsichtbare “Helfer” an, und riefen laut zu den Winden, bis ihnen schließlich äußerste Erschöpfung Schlaf brachte oder Bewusstlosigkeit - und vielleicht den ersehnten Medizin-Traum. Wenn er Glück hatte, erschien dem Träumenden irgendein Tier oder Vogel, das/der Ratschläge und Hilfe brachte und ihm Verhaltensweisen gab, deren Befolgung Erfolg im Krieg bringen sollte. Damit war das erschienende Tier/Vogel die MEDIZIN des Träumenden. Er glaubte, dass alle Kraft, Schlauheit und Weisheit des erschienenen Tieres für alle Zeit auf ihn selbst übergehen würden. Nach einem solchen Erlebnis trug der Träumer stets einen Teil eines solchen Vogels oder Tieres mit sich als seinen Glücksbringer. Ohne seinen Talisman am Körper würde er nie etwas unternehmen (Medizinbeutel).

In jedem der drei Blackfeetstämme gab es mehrere “Gesellschaften”, von denen einige geheime Bünde waren. Die meisten dieser Organisationen hatten einen militärischen Charakter, verschiedene besaßen Polizeigewalt über Dörfer und wenigstens ein Bund bestand aus Jungen, die noch zu jung für Kriegszüge waren. Bei den Bloods gab es den Horn-Bund, bei den Pecunnies den Kit-Fox-Bund, die sich sehr ähnlich waren. Dies waren die ehrenwertesten und exklusivsten ihrer Art. Die Frauen der Pecunnies hatten einen ebensolchen Geheimbund. Zugelassen wurden nur Frauen mit tadellosem Ruf. Eine einzige ablehnende Stimme konnte die Aufnahme der vorgeschlagenen Person in den Bund verhindern.

Wie alle Plainsstämme hatten die Blackfeet tiefes Vertrauen zu ihren Medizinmännern, den “Weisen” ihrer Stämme. Auch wenn diese Männer zu schwierigen und schwer verständlichen Mitteln bei ihren Zeremonien griffen, welche ihre Patienten und die Zuschauenden faszinierten, so gibt es dennoch keinen Zweifel darüber, dass sie oft Kranke oder Verwundete allein durch dieses Vertrauen heilten. Sie verfügten über beachtliche Kenntnisse der Wirkstoffe von Pflanzen und Wurzeln. Diese Kenntnisse gaben sie mündlich weiter. Es gab wenige Krankheiten, da das Alltagsleben der Plainsbewohner sie in perfektem physischen Zustand hielt. Der Sonnenaufgang sah die meisten Männer und Knaben beim Baden in den eisigen Flüssen, ob im Sommer oder im Winter. 

Die Toten wurden üblicherweise auf Bahren beigesetzt, die an Baumästen festgezurrt wurden. Somit waren sie außerhalb der Reichweite von Wölfen. Sorgfältig in Büffelhäute gewickelt und verschnürt, waren die Körper vor Raben, Krähen und Raubtieren sicher aufbewahrt. Waffen und Pfeifen wurden mit den Kriegern beigesetzt. Den Frauen wurden Kochutensilien und Geräte zum Ausgraben von Wurzeln beigelegt. Oft wurde eine Anzahl von Pferden getötet, so dass der Geist des Verstorbenen in die Sand Hills, dem Himmel der Blackfeet, reiten konnte. In der Trauer um einen Sohn oder männlichen Verwandten ritzten sich Männer wie Frauen ihre Haut ein und schnitten sich die Haare ab. Die Frauen sangen Klagelieder, manchmal für eine lange Zeit. Die Trauer um Frauen war von kürzerer Dauer.

Die Blackfeet waren Fleischesser. Ihre tägliche Nahrung bestand zu 90% aus Fleisch. Dieses wurde entweder gekocht oder gebraten verzehrt. Manchmal wurde es auch in "meat holes"(Fleischlöcher), die als feuerlose Kochstellen fungíerten, gegart. Wurzeln und Kolben wurden ebenfalls in solchen Bodenlöchern zubereitet. Beerenfrüchte aß man frisch, für den Winter wurden sie getrocknet. Die getrockneten Früchte wurden auch zur Herstellung von Pemmican verwendet, einer Mischung aus sorgfältig pulverisiertem getrocknetem Fleisch, Beeren und Knochenmark. Da die Blackfeet kein Salz besaßen, trockneten sie das Fleisch für die Winterzeit in der Sonne. Das Pemmican wurde in Taschen aus Büffelhaut aufbewahrt.

In den Tagen, bevor der weiße Mann auf den Ebenen erschien, waren die Blackfeet ein glückliches Volk. Eine Unmenge an Nahrung, Kleidung und Schutz bietenden Zelten stand jederzeit zur Verfügung. Außer diesen essentiellen Dingen benötigten sie nicht viel. So konnte man im festen Glauben an die unerschöpflichen Quellen des geliebten Graslandes in den Tag hinein leben. 

Die Blackfeet widersetzten sich instinktiv dem Erscheinen der Trapper und Händler. Trotzdem  errichteten  Pelzhandelsgesellschaften Forts am oberen Missouri im Herzen des Pecunniegebietes. Nirgendwie sonst haben sich die Weißen so schäbig erwiesen, um Gewinne zu erzielen, wie beim Pelzhandel im Nordwesten, nie so verwerflich wie in der Behandlung der Plainsindianer. Neben dem Whiskeyhandel brachten sie Infektionskrankheiten zu einem Volk, dessen Blut rein war. Niemand wird auch nur die Hälfte der Verbrechen erfahren, die von diesen habgierigen Händlern begangen wurden. Die erzwungene Impfung einer großen Zahl von Indianern in Fort Union mit dem Blut eines an Pocken verstorbenen Weißen ist schrecklich genug, besonders wenn man weiß, dass dieser Schritt ganz im Interesse der Händler geschah. Jene hofften, dass diese Geißel sich ausbreiten würde, bevor der Herbsthandel begann. Es ist abstoßend zu wissen, dass alle absichtlich infizierten Indianer starben. Diese Tat ist nicht weniger teuflisch als jene, die sich 1843 in Fort McKenzie ereignete: In eine Menge unverdächtiger Pecunnies, die das Fort besuchten, wurde mit einer Kanone hineingeschossen.

Trapper, die stromaufwärts ins Land kamen, brachten 1837 die Pocken mit. Diese verheerende Seuche raste wie ein giftiger Sturmwind durch die Stämme der nordwestlichen Plains. Niemand weiß, wie viele Indianer starben, Schätzungen schwanken zwischen 60.000 bis zu 200.000 Männer, Frauen und Kinder. Vielleicht ist die letztere Zahl zu hoch. Der Stamm der Mandan verlor allein 6.000 Leute. Als die Seuche abklang, waren nur noch 32 Krieger am Leben. Als die Krankheit Fort McKenzie erreichte,  befiel sie zuerst die dort lebenden Menschen. Die Todesfälle traten so rasch auf, dass Beerdigungen unmöglich waren. Die Leichen wurden in den Missouri geworfen. Im Fort gab es 29 Todesfälle, 26 davon waren Pecunniefrauen, die zu den Männern der Fortbesatzung gehörten. Bei der Ankunft des pockenverseuchten Schiffes standen etwa 500 Zelte der Blackfeet beim Fort McKenzie. Dann waren alle verschwunden.

Im Oktober machte sich Alexander Culbertson, der Manager der American Fur Company in McKenzie, auf den Weg, um nach seinen Schützlingen zu suchen. Er brauchte nicht lange reisen, bis er ein Lager mit 60 Pecunniezelten fand. Sie waren umgeben von den Leichen Hunderter Männer, Frauen und Kinder - selbst Hunde und Pferde waren dabei. Hier in dieser grauenvollen Umgebung fand Culbertson zwei alte Frauen, die ihre Totenlieder inmitten der verwesenen Leichen sangen. Und hier kehrte Culbertson, der Händler, nachdem er genug gesehen hatte, zu seinem Fort zurück.

Im November 1837 kamen umherschweifende Blackfeet zum Fort McKenzie. Bis dahin hatte die Krankheit noch  nicht ihre schrecklichen Symptome erkennen lassen. Erst am zehnten Tag nach dem Verlassen des Handelspostens erfolgte der verheerende Ausbruch. In der entstehenden Panik erstachen sich junge Krieger lieber aus Angst, als dass ihre schönen Körper von dieser abstoßenden Krankheit zerstört würden. Mehr als 6.000 Blackfeet waren umgekommen, mehr als die Hälfte des Stammes. Viele andere Stämme waren ebenso betroffen - die Assiniboins verloren mehr als Dreiviertel ihrer Krieger.

Nie zuvor war in diesem Jahr (1837) der Handel mit Kleidung aus Büffelfellen in den Forts McKenzie und Union größer, denn tote Indianer benötigten keine Kleidung mehr. Überlebende Stammesangehörige zogen den Verstorbenen Tausende von Kleidungsstücken von den Körpern. Diese Sachen wurden an die Handelsposten in den Forts verkauft und von dort aus ohne den Versuch einer Desinfektion "in die Staaten" verschifft. Zum Glück brach dort keine neue Pockenepidemie aus. Die durch die Epidemie geschwächten Stämme erlangten nie mehr ihre zahlenmäßige Stärke zurück.

In all der Zeit war der Tribut, den die riesigen Büffelherden des Nordwestens durch Bejagung zu erleiden hatten, kaum zu bemerken. Nun setzte der Weggang der Händler ein. Nachdem sie die Pelztierbestände leergefegt hatten, zogen sich diese habgierigen Weißen aus ihren Handelsposten zurück und überließen das Land den Indianern und den hungrigen Wölfen.

Die Blackfeet, zahlenmäßig geschwächt und voller bitterer Erinnerungen, hatten gerade begonnen, wieder in ihr gewohntes Leben zurückzufinden, als in den 70er Jahren die professionellen Pelzjäger auf den Ebenen auftauchten. Und jetzt, für 50 Cents bis $1,50 pro Tier schossen diese Weißen die Büffel nur wegen ihrer Felle nieder! Zurück blieben unzählige tausende Tonnen guten Fleisches und verrotteten an der Stelle, wo sie erlegt wurden. Mitte der 80er Jahre hatten die Pelzjäger ihr Handwerk vollendet. Die Büffel waren für immer verschwunden. Das weite Grasland, das für Jahrhunderte so ertragreich war, war leergefegt und ungastlich. Selbst Elche und Antilopen waren ausgerottet. Alle Stämme der Plains hungerten jetzt. Die älteren Krieger glaubten, dass sich die Herden irgendwo versteckt hielten, doch die verzweifelte Suche nach ihnen war vergebens. Ein Viertel des Stammes starb den Hungertod.

Verwirrt, unfähig das über sie gekommene Unheil zu begreifen, klammerten sie sich verzweifelt an den Glauben, dass sich die Büffel nur irgendwo versteckt hielten und auf das geliebte Grasland zurückkehren würden. Wenn die träge Regierung der Vereinigten Staaten nicht endlich gehandelt hätte, wären die Pecunnie bis auf den letzten Mann verschwunden.

Doch letztendlich handelte die Regierung. Der Prozeß, aus wilden Jägern freundliche Farmer zu machen, begann. Und dieser Vorgang ist erfolgreich. Die Pecunnie und die anderen Blackfeetstämme werden durch Rinderzucht und Ernten auf den ehemaligen Büffelländereien zu Selbstversorgern.