Historischer Westernclub Lichtenfels e.V.
allgemeine Infos zum Club

 

 
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2004

Pressebericht vor dem Hobbyistentreffen 1. Juni 2004
Hobbyistentreffen in Pullman-City 
Wie bereits in den vergangenen Jahren besuchen die Mitglieder des „American Civil War Reenactor Club Lichtenfels e.V.“ auch in diesem Jahr das größte Hobbyistentreffen Deutschlands in der Erlebnis-Westernstadt „Pullman-City“ bei Eging am See im Bayerischen Wald.
Als besondere Attraktion der Hobbyistentage, welche vom 10.6. bis 13.6.2004 stattfinden gilt der Südstaatenball am 11.Juni 2004, welcher im vornehmen Stil des alten Südens der USA durchgeführt wird.
Neben den uniformierten Teilnehmern der Süd- und Nordstaaten treffen sich in Pullman-City Trapper, Westmänner und –frauen und Teilnehmer anderer Epochen in historischer Bekleidung und bieten so an diesem Wochenende für jeden Besucher ein besonderes Erlebnis.
Um den gesamten Aufenthalt in das Zeichen des Reenactment zu stellen wird der Lichtenfelser Club im historischen Camp untergebracht sein. 
Hier bieten sich die besten Möglichkeiten neue Verbindungen herzustellen  und Erfahrungen auszutauschen.
Informationen und Kontakt gibt es im Internet unter 
www. civilwar-lichtenfels.de oder bei Peter Hoja 0172 / 86 18 126.
 

Pressebericht vom 18. Juni 2004
Südstaaten-Ballnacht 
 

Bei strahlendem Sonnenschein und nachfolgendem Extrem-Wolkenbruch konnten die Lichtenfelser Civil War Hobbyisten sich in der Westernstadt Pullman-City richtig wohlfühlen. Denn ganz im Zeichen der Hobbyistentage traffen sich hier alle Darstellungsgruppen von waschechten Indianern, Trappern, Siedlern und eben auch die Südstaatler die aber recht friedlich mit den Yankeys des Nordens umgehen konnten.
Ein besonderes Highlight war wieder der zauberhafte Südstaatenball, bei dem die sonst so rüden Gesellen zeigen konnten, dass sie sich auch benehmen können. Damen in den schicksten Ballkleidern wohin das Auge reichte. Hier kamen auch die richtigen Tanzprofis zu Zug, denn beim „Virginia Reel“ war volle Konzentration auf die Schrittfolge und die Mittänzer gefragt. Da konnte selbst die High-Society im Wiener Opernball vor Neid erblassen. 
Den stilechten Ausklang bot dann ein richtig romantischer Lagerfeuer Abend bei dem sich jeder einig war – 2005 sehen wir uns wieder.
Der nächste Monatstreff ist am Mittwoch den 7. Juli im „Kärschenbaam“ am Marktplatz Lichtenfels, Gäste sind herzlich willkommen.
 

Pressebericht im Obermain-Tagblatt vom 10. Dezember 2004
In einer Welt ohne Uhr und Fernseher 
Der American Civil War Reenactor Club taucht regelmäßig ins 19. Jahrhundert ab / ,,Keine Uniform-Fetischisten" 
von Annette Thamm 
 

Mittwochabend in der Kneipe einer Kleinstadt. Eine adoptierte Blackfoot-Indianerin, ein Trapper und drei Soldaten der First Texas Infantry sitzen zusammen und trinken Tee oder Bier. Nein, das ist kein Szenario aus dem amerikanischen 19. Jahrhundert. Das ist ein Treffen des American Civil War Reenactor Clubs Lichtenfels. 
Auf den ersten Blick ist den vier Herren und der Dame, die zum Interview mit dem Obermain-Tagblatt gekommen sind, ihre ,,zweite" Identität nicht anzusehen. Zwar besitzen sie stilechte Kleidung, von den Uniformknöpfen bis zur baumwollenen langen Unterhose. Aber die kramen sie in Lichtenfels nur selten heraus. Für den großen Auftritt gibt es ja die Treffen in Pullman City. 
Dort sammeln sich an den Wochenenden Indianer, Trapper, Cowboys, Nord- und Südstaatler aus ganz Deutschland. Sie treffen sich in Eging im Bayerischen Wald, um gemeinsam ein Stück Historie nachzuerleben. Denn das bedeutet Reenacting übersetzt: nacherleben, wiederbeleben. Das ist wie ein Rollenspiel, das nicht am Computer stattfindet, sondern live, erklärt der Vorsitzende Peter Hoja, einer der ,,Soldaten". 
Den American Civil War Reenacting Club gibt es in Lichtenfels seit 2002. Zehn Frauen und Männer, vom Verkäufer über die Arzthelferin bis zum ehemaligen Bankkaufmann, treffen sich hier einmal im Monat und fahren einmal im Jahr zusammen nach Pullman City. 
,,Es begann bei uns allen mit dem Interesse an Country-Musik", erinnert sich ,,Soldat" Norbert Bock. Er und seine Frau Andrea Labude-Bock, die ,,Blackfoot-Indianerin", sind dieses Jahr zum Verein gestoßen. Die Musik steht schon lange nicht mehr im Vordergrund. Wichtig ist die Geschichte, und da kennen sie sich alle sehr gut aus. ,,Soldat" Klaus-Peter Frisch hat sogar ein 90 Seiten starkes Buch über das Regiment des Clubs geschrieben. 
20 Prozent Deutschstämmige
Für die Wahl dieses Regiments haben sie gründlich recherchiert. Eine Verbindung zur Heimat sollte schon vorhanden sein. So stießen sie auf die Company L, in der 20 Prozent Deutschstämmige mitgekämpft haben, und entschieden sich für die First Texas Volunteer Infantry, ein Regiment dieser Einheit, das zu den Kerntruppen der Südstaatler gehörte. 
Es wäre schon interessant, merkt Frisch an, einen noch engeren Bezug zu finden, etwa die Spuren oberfränkischer Auswanderer, die im Bürgerkrieg mitgekämpft haben. Solche Nachforschungen seien aber mit einem enormen Zeitaufwand verbunden und deswegen gar nicht zu bewältigen. 
Natürlich, sagt Hoja, müssen er und seine Freunde sich oft unangenehmen Fragen stellen. Aber bei den Reenactors handele es sich weder um einen Karnevals- noch um einen verhinderten Kriegerverein. ,,Wir sind keine Uniform-Fetischisten", erklärt Hoja. Und: ,,Der Bürgerkrieg ist ein verdammt grausames Kapitel in der Geschichte der USA." Der Vereinsvorsitzende wehrt sich auch dagegen, als Rassist bezeichnet zu werden, nur weil sich die Reenactors für ein Südstaaten-Regiment entschieden haben. ,,Es geht nicht um irgendeine politische Einstellung. Wir sind deswegen nicht für Sklaverei." 
Alles, was die Gruppe wolle, sei, Geschichte konkret nachzuerleben. Der Bürgerkrieg stelle nur die Rahmenhandlung, die Zeitepoche, die man sich ausgesucht habe. ,,Es ist einfach interessant, sich bewusst zu machen, wie die früher gelebt haben", versucht Labude-Bock ihre Faszination zu erklären. ,,Schon allein das Feuer Machen - also, ich könnte das nicht, ich müsste verhungern." 
Das Lagerleben in Pullman City macht am meisten Spaß. Die Tage dort sind wie ein großes Familientreffen für die Reenactors. Da ist es egal, ob jemand die Uniform eines Nord- oder Südstaatlers trägt. Abends am Lagerfeuer verwischen die Unterschiede. 
Alle empfinden die Zeit in Pullman City als sehr entspannend. Man sei wie in einer anderen Welt, ohne Uhr, ohne Computer, ohne Fernsehen. ,,Wenn man das Tor durchquert, fällt eine Zeitschranke. Das ist wie ein Abtauchen in eine andere Welt", beschreibt Hoja die Atmosphäre. 
Schon auf dem Parkplatz ziehen sich die Frauen und Männer um, schlüpfen in Soldatenuniformen, Indianertracht oder in die Lederkluft eines Trappers. Sie packen die Dinge, die sie für die nächsten Tage brauchen, auf einen Handwagen und machen sich auf den Weg in die Westernstadt. 
Armee-Decke auf der Isomatte
Wie authentisch die Teilnehmer das Lagerleben nachvollziehen, bleibt ihnen überlassen. ,,In der Szene gibt's die ganz Harten, die nur mitnehmen, was sie tragen können", weiß ,,Trapper" Thomas Doering. Die Lichtenfelser sehen das lockerer. Hoja: ,,Wir sind es nicht gewohnt, auf Reisig zu schlafen." Stattdessen kommt eine graue Armee-Decke über die Isomatte. So bleibt die Illusion erhalten. 
Das Reenacting weckt Kreativität. Wer zeitgemäße Kleidung haben will, muss sich selbst an die Nähmaschine setzen. Bock denkt daran, einen historischen Grill zu schmieden. Selbst gebackenen Zwieback nach altem Rezept hat die Gruppe auch schon ausprobiert. Nur in die Rolle eines Sklaven aus der Bürgerkriegszeit will wohl doch keiner so recht schlüpfen. 
Die Vereinsmitglieder treffen sich jeden ersten Mittwoch im Monat ab 20 Uhr im Bistro Kärschenbaam. Weitere Informationen zum Club gibt es unter www.civilwar-lichtenfels.de.