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Ursachen des Amerikanischen Bürgerkrieges 1861
- 1865
Wir bedanken uns bei der 1st Virginia, vor allem bei Rico,
für die Erlaubnis, diesen Text in unsere Homepage einzubauen.
wer mehr wissen will hier geht es weiter zur
www.first-virginia.de
1. Vorwort
2. Einführung
3. Wurzeln des
Krieges
4. Der wirtschaftliche
und soziale Hintergrund des Krieges
5. Ökonomische
Disproportionen am Vorabend des Bürgerkrieges
6. Die Rolle
der Wirtschaft und der Banken
7. Antisklavereibewegung
8. Die Wahl Lincolns,
die "Sezession" und der Vorabend des Bürgerkrieges
9. Die ersten
Schüsse
10. Die Konföderierte
Armee
11. Nachwort
1. Vorwort
Ab Dezember 1860 traten nacheinander 11 Staaten aus der Union aus. Weitere
Staaten konnte der Norden nur mit Gewalt am Austritt hindern. Am 08.02.1861
wurden in Montgomery (Alabama) die "Konföderierten Staaten von Amerika"
ins Leben gerufen. Zum Präsidenten wurde Jefferson Davis gewählt.
Die spätere Hauptstadt wurde Richmond in Virginia. Die erste Amtshandlung
der neuen Regierung bestand in einem Friedensangebot an den Norden, die
Staaten ziehen zu lassen. Obwohl der Prozess der Loslösung von der
Union als ein demokratischer Prozess beurteilt werden muss, der gerade
auch von breiten Bevölkerungsschichten des Südens mit getragen
wurde, betrachteten die herrschenden Kreise des Nordens den Austritt als
Verfassungsbruch und Rebellion. Tatsächlich war in der Präambel
der Verfassung von 1778 zwar der Beitritt von Staaten geregelt, nicht aber
ein möglicher Austritt. Jede Seite legte nun den fehlenden Passus
in ihrem Sinne aus, so dass letztlich die Entscheidung durch Waffengewalt
herbeigeführt werden musste. Lincoln, der Präsident der Nordstaaten,
vermied es bis zum Schluss, die Südstaaten formell anzuerkennen, obwohl
viele pragmatische Entscheidungen im Verlaufe des Krieges (z.B. Gefangenenaustausch)
eine solche Anerkennung de facto enthalten mussten. Auf diese Weise vermied
er den Status des Aggressors für die einfallenden Nordstaatenarmeen,
währenddessen die Südstaaten als Rebellenstaaten (Rebels) bezeichnet
werden konnten. Die Bevölkerung des Südens hat ungeachtet juristischer
Spitzfindigkeiten die einfallenden Nordstaatler als Aggressoren empfunden,
gegen die man die Heimat verteidigen muss. Noch heute sind die Historiker
in der Wertung dieses Sachverhaltes gespalten: Während eine Seite
vom Bürgerkrieg spricht, verwendet die andere Seite den Begriff Sezessionskrieg
( the war between the states), eine Wortwahl, die implizit die Anerkennung
der Südstaaten voraussetzt und damit den Vorwurf der Aggression aufrecht
erhält. Der Krieg gegen den Süden wurde vom Norden als Vernichtungskrieg
mit brutaler Härte eo geführt, dass insbesondere gerade die südliche
Zivilbevölkerung darunter schwer zu leiden hatte. Unter anderem haben
diese Form der Kriegsführung und die Ausplünderung des gesamten
Süden nach seiner Niederlage zu dauerhaften Verletzungen geführt.
Wie herzlich wenig Freiheit und Menschenrechte die nordstaatlichen Sieger
interessierten kann man daran erkennen, dass sich nach dem Krieg gerade
die gefeiertsten Generale der Nordstaaten einen unrühmlichen Namen
als Indianermörder im Westen der USA machten. Der Name Custer steht
hier symbolisch für eine Vielzahl anderer- Auch nach 140 Jahren schwelt
der Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden der USA in vielerlei
Formen weiter.
2. Einführung
Der amerikanische Sezessionskrieg war ein Schlüsselereignis der
amerikanischen Geschichte. In einen Strom von Blut und Tränen einte
er eine zerfallende Nation. In diesem Krieg starben mehr Amerikaner als
in jedem anderen bewaffneten Konflikt, an dem amerikanische Soldaten teilnahmen,
einschließlich des 2. Weltkrieges. Militärisch gilt der Konflikt
als "der erste moderne Krieg der Weltgeschichte". Nie zuvor waren größere
Heere auf die Schlachtfelder gezogen. Er beendete das Zeitalter der "begrenzten
Kriege". Die militärtechnischen Neuerungen sprengten alle Dimensionen.
Es scheint, in den Ereignissen um die Jahre 1861 - 1865, sind alle
wesentlichen kulturellen und ökonomischen Probleme, auch unser heutigen
Zeit, wie in einer konzentrierten Säure enthalten. Es ist durchaus
zu erwarten, dass die Geschichte des Sezessionskrieges und seiner Bewertung
von jeder Generation neu geschrieben wird.
3. Wurzeln des Krieges
An der Mündung des James River (Virginia) wird 1607 eine Kolonie
gegründet und "Jamestown" getauft. 1612 entstehen erste Tabakplantagen.
An Mangel von Arbeitskräften werden afrikanische Sklaven ins Land
geholt. 1619 lief in Jamestown das erste Sklavenschiff ein. Damit war das
Muster der Kolonisierung des Territoriums südlich der Delaware-Bucht
endgültig vorgegeben. Im Laufe des 17. Jahrhunderts gründen Adlige
North Carolina und South Carolina, die ebenfalls von Plantagen- und Sklavenwirtschaft
lebten.
Im Norden sah es anders aus. Hier standen die geographischen Verhältnisse
einer Plantagenwirtschaft entgegen, denn auf dem Territorium von Pennsylvania
erstreckte sich die Bergkette der Appalachen bis zum Ozean. Hier war das
Land nur für kleinere Bauernhöfe geeignet. Das Klima war zu rauh
für Tabak und Baumwolle, deren Anbau im Süden das Rückrat
der Wirtschaft bildete. Dieses unwirtliche Territorium im Norden schien
der englischen Regierung bestens dafür geeignet unliebsame Kleinbürger,
welche gegen die Regierung rebellierten, anzusiedeln. Es wurden großzügig
Ansiedlungslizenzen vergeben. Bald kamen auch die ersten Deutschen (Herrnhuter
und Anabaptisten). Die ökonomische Basis der nördlichen Kolonien
Massachusetts, Connecticut, Rhode Island, New York, New Jersey und Pennsylvania
lag im Handwerk. Im Jahre 1767 kam es zu Streitigkeiten über den Verlauf
der Südgrenze der Kolonie Pennsylvania. Die Geodäten Mason und
Dixon legten die Grenze 40 Meilen südlich des 40. Breitengrades fest.
In den nächsten 70 Jahren wurde die "Mason-Dixon-Linie" zur Grenze
zwischen den Sklavenhalterstaaten und dem freien Norden, denn nach der
bürgerlichen Revolution verbot nördlich der Mason-Dixon-Linie
ein Bundesstaat nach dem anderen die Sklaverei. Nur Delaware bildete die
Ausnahme. Im Süden war die Sklaverei der Angelpunkt der Wirtschaft,
während der Norden zunehmend industrialisiert wurde.
Die Wurzeln des Bürgerkrieges in den USA sind in den sehr unterschiedlichen
Wirtschaftsstrukturen der nördlichen und südlichen Kolonien und
späteren Bundesstaaten zu suchen.
4. Der wirtschaftliche und
soziale Hintergrund des Krieges
Durch die Expansion nach Westen wurden immer mehr Sklaven gebraucht,
weshalb nach dem Einfuhrverbot von Sklaven aus Afrika, sich ein Teil der
Plantagenbesitzer im Osten auf Sklavenzucht umstellten. Die Südstaatengesellschaft
führte ein luxuriöses, dekadentes - und militärisches Leben.
Mit der Expansion der Sklavenhalterstaaten nach Westen, der zunehmenden
Auseinandersetzungen in den beiden Häusern des Kongresses über
diese Expansion sowie über die vom Norden verhängten Schutzzölle
auf Einfuhren aus England, die für den importabhängigen Süden
lebenswichtig waren, wuchs in den Südstaaten das Gefühl, gefährdet
zu sein. Schon 1827 drohten Senatoren der Südstaaten die Abtrennung
von der Union an. Nach 1827 wurden in verschiedenen Südstaaten Militärhochschulen
gegründet, wo die Söhne reicher Plantagenbesitzer ausgebildet
werden. Die gut ausgebildeten Soldaten des Südens konnten ihre Qualität
im mexikanischen Krieg von 1846-1848 zeigen.
5. Ökonomische
Disproportionen am Vorabend des Bürgerkrieges
Durch die geographischen und geologischen Unterschiede zwischen dem
Norden und Süden wurden die systembedingten Disproportionen zwischen
den Landesteilen noch weiter akzentuiert. Am Vorabend des Krieges hatten
die 17 Nord- und 2 Grenzstaaten, die aktiv am Bürgerkrieg beteiligt
waren und einen wesentlichen Beitrag zur Unterstützung der Unionsstreitkräfte
leisteten enorme Vorteile an Bevölkerungszahl, Territorium, Industrie,
Bodenschätzen und technischer Infrastruktur. In diesen Bundesstaaten
lebten 19 Millionen Menschen. Dagegen zählte die Bevölkerung
der 11 Südstaaten insgesamt 9 Millionen, von denen 3,5 Millionen Sklaven
waren.
Der Norden verfügte über 81% der Industriebetriebe, 90% der
Rohstoffe, 70% der Eisenbahnstrecken und 80% der Banken. Die mangelhafte
Industrialisierung machte den Süden sehr importabhängig. Den
größten Teil seiner Rohstoffe und Waren bezog er aus dem Norden.
Luxusgüter und viele Industrieausrüstungen kamen aus England
und Frankreich. England gehörte zu den größten Abnehmern
der Baumwolle und des Tabaks aus dem Süden. Ein wichtiges Ereignis
in der Wirtschaftsentwicklung des Nordens und des Südens sowie in
der Beziehung zu England trat 1814 ein, als eine Textilfabrik zum erstenmal
mit maschinengetriebenen mechanischen Webstühlen produzierte. Nun
wurde die Textilindustrie im Norden konkurrenzfähig und gleichzeitig
zunehmend von der Baumwolle aus den Südstaaten abhängig. Um den
Absatz der eigenen Produktion zu sichern, verlangten die Fabrikherren des
Nordens nach Schutzzöllen auf englische Importe.
Die Plantagenbesitzer, Handelsagenten und Reeder des Südens führten
im Kongress einen erbitterten Kampf gegen die Schutzzollgesetze, den ihre
Konkurrenten in den Norden einzuführen beabsichtigten. Im Süden
machte sich das Gefühl breit, vom Norden unterdrückt zu werden.
6. Die Rolle der
Wirtschaft und der Banken
Otto von Bismarck, ein erfahrener Politiker, der über die Machenschaften
der Hochfinanz gut Bescheid wußte, bemerkte zum Amerikanischen Bürgerkrieg
folgendes:
»Es kann nicht bezweifelt werden und ist mir mit absoluter Sicherheit
bekannt, daß die Aufteilung der Vereinigten Staaten in zwei gleich
starke Föderationen schon lange vor dem Bürgerkrieg von den stärksten
Finanzmächten Europas beschlossen worden war. Diese Bankiers fürchteten,
daß die Vereinigten Staaten, sollten sie vereinigt bleiben und sich
zu einer einzigen Nation entwickeln, wirtschaftliche und finanzielle Unabhängigkeit
erringen könnten, und diese hätte die weltweite finanzielle Vorherrschaft
Europas bis ins Mark erschüttert. Natürlich kam der Stimme der
Rothschilds im inneren Kreise der Finanz beherrschendes Gewicht zu. Sie
sahen eine Chance auf reichliche Beute voraus, falls es ihnen gelingen
sollte, die starke, selbstbewußte, stolze und selbstversorgende Republik
durch zwei schwache Demokratien zu ersetzen, die unter der Last ihrer Schulden
ächzten und jüdische Finanzmagnaten um Unterstützung anflehen
würden. Folglich sandten sie ihre Agenten aus, um das Thema der Sklaverei
auszuschlachten und eine Kluft zwischen den beiden Teilen der Union zu
schaffen. […] Der Bruch zwischen dem Norden und dem Süden wurde unvermeidlich;
die Herren der europäischen Finanz setzten alle ihnen zur Verfügung
stehenden Kräfte ein, um ihn zu bewerkstelligen und zu ihren eigenen
Gunsten auszunutzen.«
"So wichtig die Banken für die wirtschaftliche Entwicklung waren,
eine noch größere Rolle spielten sie in der Politik", oder:
"Kapital ist selten gerecht" - Solche und ähnliche Andeutungen finden
sich ab und an verschämt in der Literatur, aber mehr zwischen den
Zeilen. Über achtzig Prozent des Kapitals waren im Norden konzentriert,
vorzugsweise in den sogenannten Neuenglandstaaten der Ostküste. Hier
war das Nest des agilen und nimmersatten Yankeetums, für das der Kapitalertrag
immer mehr Maßstab aller Dinge wurde und worauf sich wachsend der
Zorn der Südstaatler richtete. In Boston, der damaligen Wallstreet,
wurden die ökonomischen und politischen Fäden der Kapitaleffizienz
gezogen, denen sich auch eine Regierung nicht entziehen konnte. Im Norden,
vor der Haustür, wurde die verarbeitende lndustrie ausgebaut. Der
Süden sah sich immer mehr in der Rolle des Absatzmarktes und Rohstofflieferanten
festgeschrieben. Man zwang den Süden, gegenüber den europäischen
Produkten minderwertigere und teurere Produkte im Norden zu kaufen. Dem
gegenüber wurden auf die Produkte des Südens im Norden hohe Schutzzölle
aufgeschlagen. Die Zolleinnahmen der langen Küste des Südens
flossen nach Norden. In breiten Schichten der Bevölkerung des Südens
herrschte ein starkes Gefühl der Abhängigkeit und Ausbeutung
durch die Yankeefabrikanten, Spediteure und Schiffahrtsgesellschaften vor.
Seit Beginn des Jahrhunderts mehrten sich deshalb die Stimmen im Süden,
die sich fragten, was sie denn noch in dieser Union sollten? Tatsächlich
war die Banken- und Handelspolitik des Nordens gegenüber den südlichen
Staaten in vielen Zügen die Politik einer Zentrale gegenüber
ihren Hinterhof, einer Rolle, die später andere lateinamerikanische
Staaten übernehmen sollten. In diesem Sinne war die Sezession (Abtrennung)
bereits vom Kapital des Nordens vorvollzogen, bevor der Süden sie
tatsächlich nachzuvollziehen versuchte. Das Gefälle der Kapitaleffizienz
lenkte anscheinend schon früh das Hauptaugenmerk des Nordens auf die
Weiten des Wilden Westens. Hier, vorzugsweise um die künftigen Strecken
der Eisenbahn, freies Land und Gold verdichteten sich die Spekulationen
der Anleger. Demgegenüber war der Süden mehr an einer Nord-Südverbindung
interessiert. Eine solche Nord-Südverbindung hätte aber das Monopol
nördlicher Speditionen und Schifffahrtsgesellschaften gefährdet.
Die Erschließung des Westens blieb vorherrschendes Ziel im Norden.
Das dazu fehlende Kapital wurde nach deren Niederlage aus den ehemals konföderierten
Staaten des Südens herausgesaugt. Angeheizt wurden die wirtschaftlichen
Gegensätze zwischen Nord und Süd noch durch den Krimkrieg, der
die freien Kapitalbestände der Bank of England restlos aufgezehrt
hatte. Um freies Kapital anzuziehen, erhöhten die Briten drastisch
den Leitzins, was zur Folge hatte, dass viele Aktionäre des Nordens
der USA ihr Kapital aus den Unternehmen abzogen, um es gewinnbringender
an die englischen Banken anzulegen. Massenarbeitslosigkeit und Elend in
den Proletenghettos des Nordens waren die Folge. Wie zum Hohn verdoppelten
sich gerade zu diesem Zeitpunkt die Baumwollpreise auf den Märkten.
"King Cotton" bescherte dem Süden Traumgewinne, während der Norden
für die überhitzte Industrialisierung an Bergen von Schuldzinsen
für hauptsächlich aus England importierte Maschinen buchstäblich
in die Knie ging. "Dieses Spekulantengesindel aus dem Norden kriegt jetzt
das, was es verdient hat", höhnten die sogenannten "Eisenfresser"
aus dem Süden, unverbesserliche Sklavereiverfechter, die nun ihrerseits
die Sklaverei als wünschenswerte und vorbildliche Einrichtung verteidigten.
Eine unerhörte Tatsache, die aber in der amerikanischen Geschichte
einen interessanten Bezug findet: Thomas Jefferson, der Philosoph
der republikanischen Staatsverfassung, hatte das Wesen der Freiheit als
Unabhängigkeit definiert. Dies setze einen Anteil am Produktivvermögen
voraus. Ein Mensch, dessen Lebensunterhalt von anderen abhing, könne
nie wirklich frei sein, und ebenso wenig könne eine abhängige
Klasse die Basis einer republikanischen Regierung konstituieren. Die Südstaatler
verwiesen hier auf das wachsende Industrieproletariat des Nordens, "weiße
Lohnsklaven", deren Hundeleben im Süden kein Schwarzer freiwillig
teilen würde. Jefferson hatte keine Probleme über Freiheit zu
philosophieren und selbst Sklaven zu halten. In seinen Augen waren die
Sklaven eine vorübergehende Erscheinung, die sich im Laufe der Zeit
selbst einstellen würde. Für die meisten Menschen im Süden
waren die Vorhaltungen ihrer "Negersklaverei" ohnehin nur ein weiteres
Mittel der verhassten geldgierigen Yankees aus dem Norden, dem Süden
weiter das Genick zu brechen und weiter auszuplündern. Das Problem
der Sklavenbefeiung wurde von der Presse der Nordstaaten auch gerade in
dem Augenblick wirksam pathetisch aufgegriffen, als sich die wirtschaftlichen
Spannungen zwischen Nord und Süd drastisch verschärften. Die
Sklavenfrage war hervorragend geeignet, die Stimmung bei breiten Bevölkerungsschichten
im Norden anzuheizen. Der Gegenpart der "Eisenfresser" im Süden war
jener Typ des Radikalrepublikaners im Norden, bei dem sich Fortschrittsglaube,
Kapitaleffizienz und Menschheitserlösung zu trefflich gewinnbringend
miteinander verbanden. Die auf Ausgleich und Mäßigung drängenden
Stimmen in Nord und Süd wurden immer mehr an den Rand gedrängt
und als Abraham Lincoln, der als Sklavereigegner galt, obwohl er zunächst
mehr eine gemäßigte Politik verfolgte, zum Präsidenten
gewählt wurde, kam es zum Austritt von South Carolina aus der Union.
Anlass hierfür war bezeichnenderweise eine neue Tabaksteuer des Nordens!
7. Antisklavereibewegung
Die Sklaverei bedrohte auch direkt die Interessen des sich entwickelnden
Industrieproletariats des Nordens, denn sie drückte durch ihre Ausbreitung
die ohnehin niedrigen Löhne. Schon 1781 war ein Negersklave namens
Quork Walker in Massachusetts vor Gericht erschienen und hatte seine Befreiung
eingeklagt. Sein juristisches Argument lautete, dass die Verfassung den
Satz enthalte: "Alle Männer sind frei und gleich geboren". Der Richter
bestätigte diese Tatsache und sprach Quork Walker frei. Dies war ein
Präzedenzfall. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in fast allen
Nordstaaten die Sklaverei aufgehoben. 1807 wurde die Einfuhr von Negersklaven
verboten.
1820 wurde der "Missouri-Kompromiss" vom Kongress verabschiedet, welcher
nördlich vom Breitengrad 36°03' und westlich des Missouri die
Sklaverei für immer verbot. Dieser Kompromiss heizte die Auseinandersetzung
an. Der Goldrausch in Kalifornien (1848) führte im Jahre 1850 zur
Aufnahme des Territoriums als Bundesstaates, wodurch sich der Abschluss
eines neuen Kompromisses erforderlich machte. Der alte Kompromiss wurde
1854 durch das Kansas-Nebraska-Gesetz abgelöst. Der Kampf um die beiden
Staaten führte zur Bildung der "Republikanischen Partei". Ihren Aufstieg
verdankte sie der äußerst gespannten Lage im Lande während
der Präsidentschaft vom James Buchanan (1853-1861), einem offenen
Anhänger der Sklaverei. Die "Demokratische Partei" wurde mehrmals
gespalten und war nicht im Stande die Antisklavereibewegung zu schwächen.
Es gab auch Aufstände, die in der damaligen Atmosphäre tiefer
Religiosität und emotionaler Spannungen von religiösen Fundamentalisten
ausgelöst wurden. Der erste wurde vom Negersklaven und Prediger Nat
Turner im August 1831 geführt. Der folgenschwerste wurde von dem weißen
Farmer John Brown geführt. Am 16. Oktober 1859 kam es zu einem Ereignis,
das die Nation allgemein erregte und zeigte, wie verhärtet die Fronten
zwischen den Landesteilen inzwischen geworden waren. Der Fanatiker Brown
überfiel mit 21 Männern das Bundesarsenal in Harpers Ferry und
rief die Sklaven zur allgemeinen Rebellion auf. Während im Norden
nicht wenige die Tat als Heldenstück feierten, herrschte im Süden
tiefe Bestürzung und Empörung. Nach zwei Tagen wurde das Arsenal
gestürmt
und Brown gefangen genommen. Er wurde später hingerichtet.
8. Die Wahl Lincolns,
die "Sezession" und der Vorabend des Bürgerkrieges
Abraham Lincoln erklärte 1858 in einer Debatte mit Douglas:
»Ich will klarstellen, daß ich nicht das Ziel verfolge
– und es auch nie verfolgt habe –, für die soziale und politische
Gleichheit zwischen der weißen und der schwarzen Rasse einzutreten,
daß ich nicht dafür bin – und es auch nie war -, aus den Negern
Wähler zu machen oder sie als Mitglieder von Schwurgerichten zuzulassen,
ihnen den Zugang zu Ämtern zu öffnen oder ihnen die Heirat mit
Weißen zu gestatten; ich möchte hinzufügen, daß zwischen
der weißen und der schwarzen Rasse ein physischer Unterschied besteht,
der meiner Überzeugung nach in alle Zukunft verhindern wird, daß
die beiden Rassen in sozialer und politischer Gleichheit zusammenleben.
[…] Es muß eine Rangordnung geben, einen Höheren und einen Tieferen,
und ich bin dafür, daß die weiße Rasse die Stellung des
Höheren einnimmt.«
Es ist auf jeden Fall falsch die Antisklavereibewegung als antirassistisch
einzuschätzen. Der weiße Amerikaner war auf Grund seiner Erziehung
nicht bereit, den Neger als vollwertigen Mitmenschen zu akzeptieren. Nur
wer dieses erkennt wird die Widersprüche im Charakter Abraham Lincolns
verstehen. Die Art Heiligenlegende, welche in den USA um Lincoln geschaffen
wurde, ist nur zum Teil glaubhaft. Die Legende vom armen, ehrlichen, großen,
sanftmütigen Befreier der Sklaven, vom Verfechter der Gerechtigkeit
und Märtyrer wird durch manche Fakten gestützt. Seine Gegner
machten sich über sein unschönes Aussehen und seine bescheide
Herkunft lustig, das gemeine Volk nannte ihn "Hornest Abe" (ehrlicher Abe).
Lincoln war Mitglied der Republikanischen Partei und seine Wahlkampfdebatten
mit Senator Douglas (er war der Verfasser des Kansas-Nebraska-Gesetzes)
machten ihn berühmt. Diese Debatten verschafften ihn in der Nordstaaten
Ruhm und im Süden Hass!
Lincolns Haltung gegen die Sklaven änderte sich zwar im Laufe
der Zeit, war aber nie völlig frei von Vorurteilen. Obwohl er den
Negertruppen Gleichwertigkeit bescheinigte, blieb er bei der Meinung, die
Mehrzahl der Weißen würde die Neger nie akzeptieren. Aus diesem
Grund suchte er während seiner Präsidentschaft nach Wegen, die
Negerbevölkerung nach Afrika zurückzuschicken oder außerhalb
des Landes anzusiedeln. Die Südstaaten, denen selbst Lincolns Überlegungen
zu radikal erschienen und die Opposition zur Sklaverei scharf verurteilten,
drohten wiederholt damit, im Fall seiner Wahl aus der Union auszuscheiden.
Am 6. November 1860 gewann Lincoln die Präsidentschaftswahlen, und
am 20. Dezember 1860 erklärte South Carolina als erster Staat die
"Sezession", die Trennung von den Vereinigten Staaten. Ihm folgten in den
nächsten 5 Monaten Alabama, Arkansas, Florida, Georgia, Louisiana,
Mississippi, North Carolina, Tennessee, Texas und Virginia.
Als Lincoln am 6. November 1860 zum Präsidenten gewählt wurde
und fünf Monate später sein Amt antrat hatte niemand damit gerechnet,
das die Sezession so plötzlich kommen würde.
South Carolina machte am 20.Dezember 1860 den Anfang, Mississippi folgte
am 9. Januar 1861, Florida und Alabama am 11. Januar 1861, gefolgt von
Georgia , Louisiana, ,Texas, Virginia, Arkansas, Tennessee und schliesslich
am 13. Mai 1861 North Carolina.
In Texas wurde Gouverneur Sam Houston abgesetzt als er verhindern
wollte, dass sich sein Staat der Konföderation anschloss.
„ Ich will Euch sagen, was auf Euch zukommt. Wenn Ihr unzählige
Millionen Dollar und Hunderttausende Menschenleben opfert, werdet Ihr VIELLEICHT
die Unabhängigkeit des Südens erringen. Aber ich bezweifle es.
Der Norden ist entschlossen die Union zu erhalten. Diese Leute sind keine
so feurigen, impulsiven Menschen wie Ihr, denn sie leben in kälteren
Zonen. Aber wenn sie sich einmal in eine bestimmte Richtung in Bewegung
setzen, dann rollen sie mit der unaufhaltsamen Wucht einer Lawine heran.“
Eine wahrhaft hellseherische Aussage…..
Texas sagte sich dennoch am 1. Februar 1861 von der Union los.
| Bundesstaat |
der Union beigetreten |
Loslösung von der Union |
| South Carolina |
Gründerstaat der Union |
20.12.1860 |
| Mississippi |
10.12.1819 |
09.01.1861 |
| Alabama |
14.12.1819 |
11.01.1861 |
| Florida |
03.03.1845 |
11.01.1861 |
| Georgia |
|
19.01.1861 |
| Louisiana |
08.04.1812 |
26.01.1861 |
| Texas |
29.12.1845 |
01.02.1861 |
| Virginia |
Gründerstaat der Union |
17.04.1861 |
| Arkansas |
15.06.1836 |
06.05.1861 |
| Tennessee |
01.06.1796 |
06.05.1861 |
| North Carolina |
Gründerstaat der Union |
13.05.1861 |
Schon am im Februar 1861 konstituierten sich 6 dieser Staaten zu einem
Staatenbund unter der Bezeichnung "Konföderierte Staaten von Amerika"
mit Montgomery (Alabama) als Hauptstadt. Im selben Monat traten die ehemaligen
Senatoren und Abgeordneten dieser Staaten zum Kongress der CSA zusammen.
Zum Präsidenten wurde der ehemalige USA-Kriegsminister Jefferson Davis
gewählt.
Die Nordstaaten betrachteten das neue Staatsgebilde als nicht legitim,
sie waren jedoch 4 Jahre lang politische Realität. Sie funktionierten
als unabhängiger Staat mit eigenen Streitkräften, eigener Regierung
und eigenem Finanzwesen.
Trotz großer Anstrengung erreichten die CSA niemals die Anerkennung
der europäischen Regierungen, obwohl viele durchaus geneigt waren.
Dies zusammen mit der allgemeinen internationalen Lage und der Drohung
der Union, jegliche Hilfe für die Südstaaten mit wirksamen Maßnahmen
zu begegnen, isolierte die CSA-Regierung. Als Lincoln Anfang April 1861
nach Washington umsiedelte, war die Lage keineswegs klar. Die CSA wurde
proklamiert als Lincoln noch nicht in sein Amt eingeführt wurde. Die
alte Administration regierte noch bis Anfang März des Jahres nach
der Präsidentenwahl. So konnte Lincoln praktisch keinen Einfluss auf
die Bedingungen für die Führung des Bürgerkriegesnehmen.
Die alte Regierung war gelähmt und schaute der Spaltung der einstigen
Vereinigten Staaten tatenlos zu.
9. Die ersten Schüsse
Bereits am 26. Oktober 1860 schrieb Generalleutnant Scott an Präsident
Buchanan, die Bevölkerung des Südens sei für einen Austritt
aus der Union und könnte als Vorspiel sich mit Hilfe der Milizen der
wichtigen Küsten- und Hafenbefestigungen in den Südstaaten bemächtigen.
Der Hafen von Charleston (South Carolina) war einer der wichtigsten an
der Ostküste und mit entsprechenden Verteidigungsanlagen versehen.
In der Mitte der Bucht erhob sich auf einem kleinen Felsen das noch unvollendete
Fort Sumter. Am 20. Dezember 1860 trat South Carolina aus der Union aus
und erklärte alle Militäranlagen zum Eigentum des Staates von
South Carolina. Das Arsenal von Charleston wurde von Miliz besetzt. Da
South Carolina vorerst allein dastand, wagte man keinen direkten Angriff
auf die Unionstruppen, welche sich im Fort Moultrie befanden.
Der Kommandant der Unionstruppen, Major Anderson, zog sich in einer
Nacht- und Nebelaktion am 26. Dezember 1860 mit seinen Truppen in Fort
Sumter zurück.
Im Laufe des Januars schieden Mississippi, Florida, Alabama, Georgia
und Louisiana aus der Union aus. Der Präsident der Konföderierten
Staaten Jefferson Davis hielt den Krieg für unvermeidbar. Davis ernannte
Brigadegeneral Pierre Beauregard zum Befehlshaber aller in Charleston befindlichen
Festungsanlagen. Beauregard erhielt Befehl Lincolns Vereidigung am 4. März
abzuwarten, in der Hoffnung, dass die Unionstruppen Fort Sumter freiwillig
räumten.
Lincoln wies am 4. März 1861 die Konföderation darauf hin,
dass der erste Schuss von ihrer Seite fallen müsste, um den Bürgerkrieg
auszulösen.
Lincoln entsandte eine Flotte, um den Unionstruppen in Fort Sumter
zu helfen. Vom 11. zum 12. April 1861 erreichte die Flotte die Mündung
der Bucht von Charleston. Nun gab General Beauregard die Hoffnung auf eine
friedliche Übergabe auf und ließ Major Anderson die Aufforderung
zur Kapitulation überbringen. Anderson lehnte ab, wies aber darauf
hin, dass die Nahrungsmittel zu Ende gingen und das man sich noch etwa
5 Tage lang halten könnte. Die Konföderierten misstrauten dem
Angebot.
Am 12. April 1861, 3.20 Uhr schickte Beauregard eine Botschaft an Anderson,
dass er um 4.00 Uhr das Feuer eröffnen werde.
Um 4.30 Uhr feuerte die Mörserbatterie der Konföderierten
im Fort Johnson den ersten Schuss im Bürgerkrieg ab.
Damit begann der größte Krieg auf amerikanischen Boden,
welcher bis zum 9. April 1865 dauerte und mit der Niederlage der konföderierten
Staaten von Amerika endete.
Zu den ersten ernsthaften militärischen Auseinandersetzungen kam
es im Frühjahr 1862. Der Norden versuchte, den Süden durch eine
Seeblockade von lebenswichtigen Einfuhren abzuschneiden, die Kontrolle
über wichtige Wasserwege und Forts im Westen zu gewinnen und Richmond,
die Hauptstadt der Konföderation, zu erobern. Trotz der der erdrückenden
Übermacht der Union benötigte sie vier Jahre für den Sieg.
Die Hauptgründe waren die überlegene Führung der Südarmeen
in den ersten beiden Kriegsjahren und die Tatsache, dass der Süden
sich auf eine defensive Strategie beschränken konnte. Im Osten schlug
General Robert E. Lee zwei Einfälle in Virginia zurück und stieß
in den Norden vor. Doch im Juli 1863 wurde er bei Gettysburg entscheidend
geschlagen. Inzwischen beherrschte die Union die Flüsse Mississippi
und Tennesee. 1864 wurde die Blockade wirksam. General Grant rückte
in Virginia vor, während General Sherman seinen Marsch durch Georgia
und South Carolina begann; im Frühjahr 1865 schließlich war
der Süden geschlagen.
Das wechselnde Kriegsglück ließ die Bedeutung der Eisenbahn
deutlich werden: Der Norden konnte auf ein dichteres Schienennetz zurückgreifen,
das die Agrargebiete mit den Verbrauchern in den Städten verband,
während das weitmaschigere Netz des Südens vor allem dazu bestimmt
war, die Produkte der Plantagen in die Häfen zu transportieren. Nahrung
war häufig knapp, und Bemühungen der Konföderation, sich
Nachschub unterhalb des Marktpreises zu beschaffen, stießen auf erbitterten
Widerstand der Zivilbevölkerung. Dagegen konnte die Wirtschaft des
Nordens den Bedarf für den totalen Krieg decken, ohne die Zivilbevölkerung
zu überfordern. Bald litten beide Seiten an Kriegsmüdigkeit.
Wer, wie die meisten Südstaatler, keine Sklaven beschäftigte,
war immer weniger bereit, die "Sklavokratie" zu unterstützen, während
man im Norden, nachdem die Proklamation zur Sklavenbefreiung im Januar
1863 rechtskräftig geworden war, nicht mehr bereit war, "für
die Nigger zu kämpfen".
Die wahren Sieger des Krieges waren die großen Unternehmer und
Banken des Nordens. Deren Entfaltung ging mit der wirtschaftlichen Modernisierung
einher, auf die sich der Sieg des Nordens in letzter Instanz gründete.
Kräfteverhältnis zwischen Union und Konföderation
Union Konföderation
Gesamtbevölkerung 2,5 1
Freie Männer 18 - 60 Jahre 4,4 1
Freie Männer 18 - 60 Jahre im Militärdienst 44% 90%
Sozialprodukt 3 1
Eisenbahnkilometer 2,4 1
Handelmarine - Tonnage 9 1
Kriegsmarine - Tonnage 25 1
Industrieproduktion 10 1
Textilgüterproduktion 14 1
Eisenproduktion 15 1
Kohleproduktion 38 1
Schusswaffenproduktion 32 1
Landwirtschaftlich genutzte Fläche 3 1
Zugtiere 1,8 1
Viehbestand 1,5 1
Weizenproduktion 4,2 1
Maisproduktion 2 1
Baumwollproduktion 1 24
10. DIE KONFÖDERIERTE
ARMEE
Die allgemeine Situation
Die Hauptstadt der konföderierten Staaten von Amerika war Richmond
in Virginia. Hier tagte das Parlament, hier amtierte die Regierung unter
Präsident Jefferson Davis. Je länger der Bürgerkrieg jedoch
dauerte und je mehr sich das Kriegsglück zu Gunsten des Nordens verschob,
desto mehr verlagerte sich das Entscheidungszentrum der Südstaaten
von Richmond fort ins Hauptquartier der Army of Northern Virginia. Sie
war das Kernstück der Streitmacht der Konföderation. An ihrer
Spitze stand seit 1862 Robert E. Lee, bis zur Kapitulation mit fast unlimitierter
Befehlsgewalt versehen.
Die Army of Northern Virginia (ANV) stellte das Herzstück des
Südens dar, der sich 1861 von der Union losgesagt hatte. Als in verschiedenen
„Rebellenstaaten“ mit fortschreitender Kriegsdauer bereits das Debakel
des nahenden Untergangs herrschte, kämpfte die Armee immer noch. Selber
bereits durch viele Schlachten schwer gezeichnet, materiell wie personell
fast am Ende, hielt sie immer noch die Konföderation der Form nach
aufrecht.
Die ANV zeigte in den vier Jahren die sich der Krieg hinzog, bemerkenswerte
Leistungen. Meist gegen eine beträchtliche Übermacht kämpfend,
fügte sie ihrem Hauptgegner, der Potomac-Armee, schmerzhafte Niederlagen
und Verluste bei.
Die oft aufgestellte Behauptung, dass die so genannte Rebellenarmee
in jeder Weise besser gewesen wäre als ihr Gegner entspringt einem
gewissen Klischeedenken über den Civil War. Zweifelsohne hätte
die Situation ohne den gewaltigen Nachschub an militärischen Gütern
aller Art für den Norden viel schlimmer ausgehen können. Es bleibt
aber festzustellen, dass der Ausbildungsstand der Kontrahenten recht ausgeglichen
war.
Der fundamentale Unterschied lag in der Motivation der beiden Parteien.
Einerseits hatte die ANV sehr fähige Kommandeure und zum anderen waren
die Konföderierten wesentlich besser motiviert. Dieser Punkt ist das
Schlüsselelement für die, zumindest in der ersten Kriegshälfte,
errungenen Erfolge der kleineren Südstaatenarmee.
Die feste Überzeugung der Konföderierten war es, für
die Freiheit ihrer verschiedenen Staaten und gegen Yankee-Bevormundung
in den Kampf zu ziehen. Diese Motivation wurde von der Truppenführung
in effektiver Weise auf den Schlachtfeldern eingesetzt.
Mit fortschreitender Kriegsdauer wurde aber immer deutlicher, dass
kein noch so selbstloser individueller Einsatz gegen einen materiell weit
überlegenen Gegner Erfolg brachte. Langsam und stetig schwanden die
Illusionen des einst so stolzen Südens. Die hohe Moral ging dahin,
der Wille zum Widerstand mit ihr.
Jetzt machte sich die materielle Übermacht der Union bemerkbar.
Eine Autorität der politischen Führung gab es nicht mehr. Mit
dem Absinken der Bedeutung des Regierungsapparates verlagerte sich die
Autorität zu Lee und seiner Armee.
Ein Hauptgrund für die Sezession war das Beharren der Einzelstaaten
auf ihren weit reichenden Rechten gegenüber Washington. Was sie einst
zusammengeführt hatte, erwies sich
jetzt als Spaltpilz: Während der Kriegsdauer gab es ständig
erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Richmond und den Einzelstaaten.
In vielen Fällen verweigerten diese die Akzeptanz von Beschlüssen
der Zentralregierung. Dieses klägliche Bild innerer Zerrissenheit
macht verständlich, dass die Signifikanz der Armee immer stärker
wurde.
Lee, der sich abseits allen Parteiengezänks hielt und allein der
gemeinsamen Sache diente, geriet in eine Führungsrolle, die er nicht
angestrebt hatte
Die nachfolgenden Ausführungen beruhen zum großen Teil auf
Berichten eines erfahrenen englischen Militärhistorikers, Lt.Col.
Arthur Fremantle, der sich im Auftrag der britischen Krone als neutraler
Kriegsbeobachter in den konföderierten Staaten aufhielt. Fremantle
war Oberst einer englischen Eliteeinheit, den Coldstream Guards“. Seine
nüchterne Analyse der Verhältnisse enthält ebenso anerkennende
wie kritische Aussagen über Zustand und Geist der Südstaatenarmee.
Im Juni 1862 war die Sieben-Tage-Schlacht, eine der größten
Bedrohungen Richmonds im vollen Gange. Die bestens ausgerüstete Potomac-Armee
hatte unter McClellans Befehl ihren Würgegriff um die Stadt gelegt.
Der am 31. Mai in der Schlacht von Seven Pines schwerverwundete CS-General
Joseph E. Johnston hatte dringend empfohlen Robert E. Lee zu seinem Nachfolger
zu ernennen. Diesem Vorschlag folgte Präsident J. Davis am 3. Juni.
Mit dem Tagesbefehl „Sieg oder Tod“ trat Lee sein Kommando an. Unterstützt
von J.E.B. Stuart´s Kavallerie und dem aus dem Shenandoah-Tal herbeieilenden
„Stonewall“ Jackson gelang es, den Ring um Richmond zu sprengen und die
Unionstruppen am 1. Juli zum Rückzug zu veranlassen. Lee´s „Psychologie
des Krieges“, nämlich einem überlegenen Gegner seinen Willen
aufzuzwingen, seine Standfestigkeit und die unerschütterliche Ruhe
auch in kritischen Situationen, hatten den Sieg gebracht.
11. Nachwort
Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist gerade auch die Geschichte
des Ringens zwischen den gestaltenden demokratischen Kräften der breiten
Massen des Volkes mit den Finanz- und Wirtschaftseliten des Landes. Die
Finanz- und Wirtschaftseliten versuchten schon sehr früh, den Aktiengewinn
ale alleinigen Regler aller gesellschaftlichen Prozesse und Maßstab
aller Dinge durchzusetzen. Insbesondere las sich das Kapital in den sogenannten
Neuenglandstaaten an der Ostküste zu konzentrieren begann, ein Prozess,
der durch den Export des britischen Frühkapitalismus durch Massen
englischer, puritanischer Einwanderer beschleunigt wurde. Der wirtschaftliche
und machtpolitische Schwerpunkt der Vereinigten Staaten verschob sich damit
zunehmend von Süd nach Nord. Zunächst gab es noch starke Gegenkräfte,
die einer Anarchie des Kapitals gegensteuern konnten. Andrew Jackson, der
siebente Präsident der Vereinigten Staaten bezeichnete einst die private
Bank als "Schlange der Korruption", den Reichen und Mächtigen gegenüber
unterwürfig. Sie stand nach Jackson für den Fortschritt weniger
auf Kosten vieler. Und Jackson, der jede private Bank als seinen persönlichen
Feind betrachtete, ruhte nicht eher, als bis auch die letzten Einlagen
der privaten Banken von Staatlichen Landesbanken übernommen worden
waren. Diese restriktive Finanzpolitik wandelte sich in den Folgejahrzehnten
mit der Verschiebung ihres Schwerpunktes nach dem Norden in ihr Gegenteil:
In eine Anarchie der Marktkräfte. Die Geschichte als Zweipunktregelung,
von einem Extrem ins andere! Der Krieg zwischen Nord und Süd aIs reiner
Wirtschaftskrieg war nach diesen totalen Sieg des Kapitals über alle
gesellschaftlichen Gegenkräfte nicht mehr zu verhindern. Hauptkriegsziel
des Nordens war die gewaltsame Sicherung der Absatzmärkte im Süden
für nördliche Produkte, die auf dem europäischen Markt aufgrund
ihrer Qualität und ihres Preises nicht absetzbar waren. Dass sich
an diesen pragmatischen Strukturen und Zwängen viele Hoffnungen, Leidenschaften
und auch hohe Ideale der Menschen ankristallisierten, belebt die Vorgänge
und schafft durchblutete, lebendige Geschichte. Es bleibt wohl eine Eigenart
aller Zeitgenossen, dass sie ihre Handlungen, denen meist pragmatische
Zwänge und Gründe Zugrundelagen, im Nachhinein gern verklärt
sehen möchten. In diesem Sinne ist die Rolle der Sieger wesentlich
dankbarer als die des Besiegten, der zu seinen eigenen Verfehlungen oft
genug noch die Schuld des Siegers "in die Schuhe geschoben" bekommt. Nur
eine offene Aufarbeitung der Geschichte und ihre vorbehaltlose Annahme
und Akzeptanz wirkt dahingehend, dass die Urenkel nicht die Verspannungen
und Probleme ihrer Vorfahren ausleben müssen. Aber es bleibt in erster
Linie gerade auch ein Domizil der Amerikaner, ihre eigene Geschichte immer
neu aufzuarbeiten. Und ihr größter Krieg beschäftigt die
Amerikaner bis heute ungebrochen. Manche sprechen von der "unendlichen
Geschichte". Man darf voraussetzen, dass das Thema auch in Zukunft die
Gemüter beunruhigen wird, denn die Wurzeln des Konfliktes sind hochaktuell
und die eigentliche, ökonomische Aufarbeitung dieses Konfliktes steht
uns sicher erst noch bevor. Man kann es sich nämlich sehr einfach
machen und den Sieg der Nordstaaten einfach als den der moderneren Produktionsverhältnisse
über die des erstarrten Südens auffassen. Der Fortschritt fordert
eben seine 0pfer. In der Zwischenzeit hat sich die Marktwirtschaft der
USA seit der Reaganregierung immer mehr zu einem Marktfundamentalismus
gemausert. Der "sharehoulder value", der Gewinn des Aktionärs , wird
immer mehr zum alleinigen gesellschaftlichen Regler und zum Maßstab
aller Dinge. Der Eigendynamik des ungebremsten Kapitals wird eine sakrale
Erlösungskraft zugeordnet die sie, allerdings mit geänderten
Vorzeichen, in eine Reihe mit fundamentalistischen Heilslehren stellt.
Diese Strömung, auch als "Neoliberalismus" bezeichnet, schwappte insbesondere
seit der Reagan-Ära nach Europa , fegt hier die sozialen Marktwirtschaften
von der Bildfläche und demontiert die europäische Kultur. Marktwirtschaftliche
Aspekte dringen immer mehr in Bereiche ein, in denen sie nichts zu suchen
haben : Bildung, Medizin, Kunst, Kultur, Sport, Recht, Privatsphäre
und Familie. Sie führen zu einer irreparablen Deformation der Gesellschaft.
Die Politiker, deren poIitischer Handlungsspielraum durch den Wirtschafts-
und Kapitalpragmatismus immer mehr eingeengt wird, werden immer mehr zu
Almosenverteilern und der Unterschied zwischen den einzelnen Parteien schwindet
immer mehr. Damit steigt die Politikverdrossenheit und das Volk wird vom
gestaltenden Staatsbürger zum desinteressierten Privatpöbel,
zum Verbraucher, dessen dominantes Organ nicht das Gehirn sondern die Verdauung
ist. Dazu kommt, dass die Eliten wachsend versuchen die Parlamente zu kaufen.
Für die breite Masse ist dieser Prozess nicht ohne weiteres transparent,
da insbesondere die bedenklichsten Tendenzen durchweg mit positiven Begriffen
besetzt sind, die da lauten: modern, liberal, Verkrustungen beseitigen,
auf das Morgen vorbereiten, innovativ, fortschrittlich e.t.c. Die Politiker
Ihrerseits werfen entweder das Handtuch weil alles sowieso zu spät
ist , rennen der Entwicklung noch voraus oder sind überhaupt nur noch
mit sich selbst beschäftigt.. Die Chance eines eigenständigen,
europäischen Gesellschaftsmodells ist durch die Einigung über
die Währung vertan. Damit ist das klare Primat des Marktes gegenüber
jeder eigenständigen Politik besiegelt.
Ein Viertel aller Reichtümer der Erde gehört heute ca.300
Menschen , der Konzentrationsprozess des Kapitals wird in 20 bis 30 Jahren
dahin geführt haben, dass die ganze Erde vielleicht 100 Menschen gehört
und so weiter. Was war dann diese Demokratie im Endeffekt : eine handfeste
Diktatur des Kapitals! Und so sieht's aus, diese Systemschäden haben
eben auch bei Gettysburg gesiegt ! Vielleicht wäre es für alle
Europäer besser gewesen, es hätte zwei amerikanische Staaten
gegeben. Dann würde Europa heute von der amerikanischen Lebensart
nicht erdrosselt werden und hätte bessere Chancen, seinen eigenen
Lebenspuls zu finden. Ein Grund mehr, auch für den gemütvollen
und traditionalistischen Süden eine Lanze zu brechen.
Vielleicht fühlen viele instinktiv so, die Heute die graue Uniform
tragen oder es waren eben doch die prägnanteren und abenteuerlicheren
Kerle, die gegen die Übermacht der Union den Stachel zu lüpfen
wagten, denn das Zahlenverhältnis der Weißen Nord zu Süd
betrug etwa 3,5 zu 1 und die wirtschaftliche Überlegenheit des Nordens
war von Anfang an erdrückend. So hatten Armeen des Südens lange
Zeit gegen doppelt so starke Unionsarmeen zu kämpfen und waren bis
in die Mitte des Krieges trotzdem meist siegreich. Der Süden hatte
lediglich anfänglich den Vorteil des besseren Offizierskorps (die
Militärakademien waren vorwiegend im Süden) der zunächst
besseren Soldaten und der besseren Moral(!). Diese Vorteile mussten sich
im Verlaufe des langen Krieges aufzehren. Der Stoff des Ganzen ist so gewaltig
und differenziert dass die große Gemeinde der Hobbyisten, die heute
diese Geschichte nachstellen, immer etwas zum erzählen hat. Und die
Gemeinde dieser Hobbyisten zählt in der Welt Zehntausende. Die Deutschen
haben einen besonderen Grund, sich für den amerikanischen Krieg zu
interessieren, da insbesondere viele Deutsche nach der 48-er Novemberrevolution
emigrierten. So finden wir auf beiden Seiten viele Landsleute wieder, insbesondere
auf Seiten der Union, in deren Armeen in ganzen Einheiten durchgängig
deutsch gesprochen wurde. Da man als Geschichtsnachsteller, Reenactor,
eine ganze Menge Teilhobbys verbinden kann wie: träumen, Schwarzpulverschießen,
historisch campen, am Lagerfeuer sitzen, reiten, fechten, lesen, philosophisch
reflektieren, seine Jagdtriebe ausleben ,sich verkleiden e.t.c. verwundert
es nicht weiter, dass sich auch in Deutschland Tausende mit diesem Hobby
beschäftigen, eine Gemeinde, die stetig wächst .
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